Feiertage

Die Feiertage sind vorbei. Was noch bleibt sind leere Kalender, frische Hoffnung, viele Pläne, gute Vorsätze und volle Fitnessstudios. Denn so beginnt ein neues Jahr in der Regel, in diesem Fall sogar gleich ein neues Jahrzehnt. Objektiv betrachtet ändert sich erst mal nichts, aber dennoch haben viele die Hoffnung, dass das neue Jahr endlich den Durchbruch bringt. Glückseligkeit und Frieden mit sich selbst und der Welt, das wünschen wir uns alle und werden es doch nie erreichen. Egal wie viele Bücher zum Thema Achtsamkeit und Glücksuche wir lesen, egal wie viele Reisen wir machen, egal wie viele Kinder wir bekommen, egal wie gut unsere Work-Life-Balance auch sein mag und egal wie viel Geld wir anhäufen. Diese unbeschwerte, unvoreingenommene Lebensfreude, die wir vielleicht in unserer Kindheit erleben durften, lässt sich als Erwachsener nicht mehr aufrechterhalten, egal was wir tun.

Das schreibe ich nicht aus einer depressiven Verstimmung heraus, sondern aus einfachem Pragmatismus, dem sich die meisten Erwachsenen wohl irgendwann – auch wenn es heutzutage immer später geschieht – stellen müssen. Und deswegen werden Feiertage wie Weihnachten und Silvester uns auch nie wieder das geben können, was wir als Kind an diesen Tagen gefühlt haben mögen. Das klingt zwar hart, aber es lässt sich nicht leugnen, auch wenn es viele sehr leidenschaftlich versuchen. 


Ich selbst hatte schöne Feiertage. Es war harmonisch im Kreise meiner Familie und es war besonders erfreulich, mit nur zwei Urlaubstagen fast zwei Wochen frei haben zu können. Es tat gut mal keine Reise oder andere Erlebnisse planen zu müssen, weil einen sonst doch irgendwie immer das Gefühl verfolgt, die jährlichen Urlaubstage möglichst effizient und aufregend nutzen zu müssen und es war toll, einfach mal eine Woche nur der Familie zu widmen. Darum mag ich diese Zeit. Was ich schon lange nicht mehr mag ist den dazugehörigen pseudoreligiösen Weihnachts-Hype, den ich inzwischen nur noch als unehrlich empfinde. Denn auch bei solchen Themen ist es meiner Meinung nach wichtig, mal auf Zoom-Out zu stellen und objektiv zu betrachten, was wir da eigentlich tun und welche Auswirkungen es für andere hat.

Der Ursprung von Weihnachten liegt im Fest der Wintersonnenwende. Mit diesem Fest wurden schon in der Antike die damaligen Sonnengottheiten gefeiert. Im Christentum galt dieses Fest aber noch 400 Jahre nach Christi Geburt als heidnischer Brauch und wurde daher von den damaligen Kirchenoberhäuptern verboten – allerdings ohne Erfolg. Da es der Kirche aber schon immer ein Anliegen war, möglichst viele Menschen von ihrer Steuergemeinschaft zu begeistern, entschied sie also spontan, Jesus Geburtstag aus dem Wintersonnenfest zu kreieren, denn so konnte man nicht nur die Feierei weiterführen, sondern auch noch ein paar Heiden in die Kirche locken. Eine WinWin-Situation für alle sozusagen. Daher kommt in diesem Zusammenhang übrigens auch der Weihnachtsbaum, der ebenfalls von den heidnischen Kulturen am Wintersonnenwendefest als Symbol der Fruchtbarkeit und Lebenskraft an öffentlichen Orten und vor den Häusern aufgestellt wurde. Um nicht sofort als Nachmacher enttarnt zu werden, verbot die Kirche diesen heidnischen Brauch natürlich auch erst mal, konnte sich aber leider nicht durchsetzen und stellte sich letztlich dann ebenfalls ein schönes Bäumchen ins selbsternannte Gotteshaus.

Dem ein oder anderen stellt sich jetzt vielleicht die Frage, wie sich das eigentlich noch mit dem Klimawandel verträgt, wenn zu Weihnachten halb Deutschland einen Baum fällen lässt. Laut der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) gibt es allein in deutschen Haushalten 23 bis 26 Millionen Weihnachtsbäume. Um diese Summe an Bäumen zu produzieren, werden natürlich viele Plantagen mit Monokulturen angelegt, die dann im Regelfall noch mit Pestiziden verseucht werden. Dass das weder natur- noch tierfreundlich ist dürfte jedem klar sein, aber das ist den meisten natürlich genauso egal wie die negativen Auswirkungen von Böllern an Silvester. Traditionen, so dumm sie auch sein mögen, haben immer Vorrang vor Logik. Mich persönlich stören inzwischen aber beide, Bäume und Böller. Fairerweise muss ich sagen, dass ich in anderen Kategorien natürlich auch ein Umweltsünder bin. Deswegen will ich zu dem Kritikpunkt auch nicht weiter ausholen, aber jeder muss sich eben fragen, was er selbst tun kann, um unsere Welt ein bisschen weniger zu belasten und der Verzicht auf diese Traditionen ist für mich persönlich allein aus den vorgenannten Gründen ganz leicht.


Aber noch mal konkret zurück zu Weihnachten. Nach unzähligen Recherchen dieses wirklich komplexen, aber dennoch auch ziemlich interessanten Themas, steht die Kirche (sowohl katholische als auch evangelische) für mich heute vor allem für Mord, Pädophilie, Verbreitung von Aids, Doppelmoral und Milliardensubventionen unseres nicht ganz so säkularen Staates. Mit echtem Glauben hat die Kirche für mich nichts zu tun und Weihnachten unterstreicht meine Ansicht in diesem Zusammenhang nur. Denn mal ganz abgesehen vom heidnischen Ursprung passiert an diesen Tagen noch Folgendes: Kinder werden durch Weihnachten geprägt, indem sie schon früh mit einer Gesellschaft, die auf Konsum und Materialismus aufbaut ist, vertraut gemacht werden. Außerdem steigen die Alkoholvergiftungsfälle, Völlerei an jedem Weihnachtstag schadet der eigenen Gesundheit, während gleichzeitig anderorts Menschen verhungern und nicht zuletzt beherrschen Suizidgedanken bis hin zum tatsächlichen Selbstmord viele einsame Menschen in dieser Zeit. Denn egal wie die innere Haltung zu diesem Fest beim Einzelnen aussieht, niemand kann sich in Deutschland dem Weihnachtstrubel entziehen und so wird denen die allein sind, jeden Tag explizit vor Augen geführt, dass sie niemanden haben, mit dem sie dieses „besinnliche“ Fest begehen können und völlig allein auf der Welt sind. Das Gleiche gilt für die Menschen, die im Laufe des Jahres vielleicht einen geliebten Menschen verloren haben. An den Weihnachtstagen wird es für sie mit Sicherheit ganz besonders schlimm. Was für den Einen das Fest der Liebe & Familie ist, wird für den Anderen so zum klaren Zeichen seiner Isolation und Einsamkeit.


Warum schreibe ich das jetzt eigentlich alles und warum bin ich so negativ? Als Deutsche muss ich Weihnachten, Silvester und andere Traditionen hochhalten, denn schließlich machen diese Dinge einen Großteil unserer Kultur aus und bringen außerdem Spaß, so denken jedenfalls die meisten. Die Ursprünge und Auswirkungen auf andere, fremde Menschen, die Umwelt usw. muss uns in dem Zusammenhang erst mal nicht interessieren, denn schließlich hat die Mehrheit in Deutschland in erster Linie Freude an Weihnachten und das alleine reicht als Pro-Argument. Doch mir reicht es nicht, denn diese Pro-Argumente basieren letztlich ja doch nur auf Unwissenheit, Konsumgeilheit und allgemein fraglichen Werten (für manche beschränkt sich die Familienzeit dann beispielsweise auch nur auf diesen einen Anlass im Jahr).


Natürlich ist es viel leichter einfach ein paar Plätzchen in den Ofen zu schieben, Helene Fischer anzuschmeißen, den Tannenbaum zu schmücken und mich wie alle anderen an der „schönsten Zeit des Jahres“ zu erfreuen. Aber es ist für mich nicht mehr authentisch. Und so oft denke ich mir, es ist allgemein immer wichtig die Hintergründe zu kennen, nicht nur bei Traditionen, sondern natürlich auch bei Menschen & ihren Geschichten. Erst danach sollte man sich ein Urteil bilden. Und auch wenn dieses Urteil als Meinung von der Mehrheit letztlich nicht geteilt wird (da unbequem), ist es trotzdem richtig und wichtig es in die Welt hinauszuschicken. Denn irgendwann müssen wir alle gehen und manchmal kommt ein Abschied schneller als gedacht. Jeder muss sich bis dahin selbst fragen, was für ein Mensch er sein will, wie wichtig ihm Anpassung, Wahrheit & Moral im Verhältnis zueinander sind und was für ein Leben er auf dieser Grundlage führen will.



Ursprünglich eignen Sinn
Laß dir nicht rauben!
Woran die Menge glaubt,
Ist leicht zu glauben.

Natürlich mit Verstand
Sei du beflissen;
Was der Gescheite weiß,
Ist schwer zu wissen.

– Johann Wolfgang von Goethe –




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