Ist BIO wirklich besser?

Ist BIO wirklich besser?

Laut einer aktuellen Studie kaufen 94 Prozent der deutschen Haushalte regelmäßig Bioprodukte. Unser Haushalt auch, denn ich will meinen Körper schließlich gesund ernähren und auch keine Massentierhaltung mit dem Kauf dieser leidgeplagten Tiere unterstützen. Da Bioprodukte aber meist zwischen 30 – 40 Prozent teurer sind als herkömmliche Produkte, greife ich, um mein Gewissen zu beruhigen und gleichzeitig den Geldbeutel zu schonen, auch öfters mal auf die Bioprodukte von Discountern wie Lidl und Aldi zurück. Das Biosortiment dieser Ketten ist wiederum bis zu 30 Prozent billiger als das des kleinen familiengeführten Bioladens um die Ecke. Natürlich macht da die Masse den Preis, aber eben auch die geringeren Standards der Biobetriebe, die oftmals gar nicht wesentlich höher liegen, als bei nicht-bio Produkten. Der Verbraucher wird also gewissermaßen reingelegt und das gekaufte Hühnchen hat dann vielleicht trotz Bio-Siegel am Ende niemals Tageslicht gesehen und ein Leben, eingequetscht zwischen hunderten Artgenossen und vollgepumpt mit Antibiotika, geführt.




Da denkt man beim Einkaufen aber oftmals gar nicht drüber nach, sondern freut sich erst mal über den WinWin-Effekt von kleinem Preis und Bioqualität. Normalerweise müsste bei den Bioprodukten ja auch ein Geschmacksunterschied festzustellen sein, schließlich bedeutet bio auch Frische, da z.B. weniger Konservierungsstoffe eingesetzt werden und somit eine verminderte Haltbarkeit eintritt. Aber mir persönlich erschließt sich dieser Geschmacksunterschied bei Discountware leider überhaupt nicht. Das ist mir leider erst jetzt aufgefallen, da wir am vergangenen Wochenende bei einem urigen Bio-Bauernhof eingekauft haben, der vor Ursprünglichkeit und Naturliebe nur so trotzt. Die Hühner und Milchkühe laufen einem quasi über die Füße und das Ambiente im Hofladen ist rustikal und ländlich (siehe Foto).

Der Besitzer, ein etwas verrückter Althippie erklärte mir plötzlich, welches Gourmet-Öl zu meiner Aura passt, aha okaaaay. Ich bin aufgrund meines nordischen Typs der Kategorie „Senföl“ zuzuordnen und dieses Öl unterstützt Körper und Geist. Dass ein Öl zur Aura passt oder eben nicht („Essen Sie bloß nie wieder Olivenöl, das zerstört Ihren Energiehaushalt“), finde ich jetzt etwas weit hergeholt, aber für Naturheilkunde interessiere ich mich trotzdem und da will ich mich in Zukunft auch noch weiter mit beschäftigen. Der Biohof besitzt jedenfalls eine eigene Ölmühle und produziert hochwertige Pfanzen-Öle in Rohkost-Qualität. Obwohl ich eigentlich keine 6,00 Euro für 100 ml Öl ausgeben wollte, hat mich der Geschmack meines Aura-Senföls einfach umgehauen und ich musste es haben. Ich finde das grade so dermaßen lecker, dass ich es verzehre, indem ich es mir einfach auf den Esslöffel träufele und ohne Beilagen genieße. Ich glaube, ich könnte die ganze Flasche auch einfach exen, aber dann würde meine Aura wahrscheinlich in den krassesten Farben explodieren. Scherz beiseite, was mir früher auch nicht bewusst war, native bzw. kaltgepresste Öle sind extrem gesund, denn durch die schonende Herstellung bleibt ein Großteil der Geschmacksstoffe, Vitamine und ungesättigten Fettsäuren erhalten. Deswegen sollte man auch ruhig mal ein bisschen tiefer in die Tasche greifen, wenn es um den Ölkauf geht, es lohnt sich auf jeden Fall.

Am Ende wanderten noch selbst gepresster Apfelsaft, Rohmilch von per Hand gemolkenen Ziegen, Honig von den eigenen Hof-Bienen und eine große Tüte frisch ausgegrabener Kartoffeln in unseren Einkaufskorb. Die Kartoffeln habe ich noch am gleichen Abend zubereitet und ich muss sagen, dass ich noch nie dermaßen leckere Kartoffeln gegessen habe, ein wahres Wunder an Geschmack. Ich habe das Gefühl, ich weiß jetzt erst, wie Kartoffeln in ihrer Ursprünglichkeit wirklich schmecken, weil ich mich schon lange an die Discount-Kartoffeln (bio) gewöhnt hatte.

Ich empfehle daher jedem, der diesen Artikel ließt, öfters mal im Hofladen, auf dem Wochenmarkt oder den kleineren, regionalen Bioläden einzukaufen, denn man tut nicht nur Umwelt und Tieren etwas zuliebe, sondern definitiv auch sich selbst.



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