Eine Hommage an die Freundschaft

Eine Hommage an die Freundschaft

Freundschaft ist wichtig. Das wissen schon die ganz Kleinen und gehen bereits im Sandkasten die ersten Bindungen mit Spielkameraden ein. Wer enge Freundschaften pflegt, fühlt sich wertgeschätzt, gebraucht, verstanden und einfach nicht allein auf der Welt. Dadurch, dass sich der Radius der Menschen durch Mobilität, Internet und Umzüge stetig erweitert, wird auch die Auswahl der selbst bestimmbaren Freunde immer größer. In den ersten Lebensabschnitten ist es erfahrungsgemäß leichter mit Leuten in Kontakt zu kommen, grade die Schul- und Studienzeit bieten eine große Auswahl an Gleichaltrigen, wo bestimmt das passende dabei ist. Ich weiß nicht genau, woran es liegt, aber ich glaube, während man in diesen Phasen noch mit allen möglichen Leuten befreundet sein kann, schart man irgendwann Menschen um sich, mit denen man Ansichten und Lebensstil teilt. Man beginnt zu selektieren, anspruchsvoller zu werden, mehr von einer Freundschaft zu erwarten. Steht man erst mal im Berufsleben, wird es aber schwieriger eine tiefgründige Freundschaft aufzubauen, da sich die Auswahl der Gleichaltrigen mit einem Mal drastisch reduziert und dadurch die Chance, den einen Seelenpartner zu finden, auf ein Minimum schrumpft. Natürlich gibt es noch die Freizeit, aber ganz ehrlich, wer quatscht schon mal eben eine potenzielle Freundin auf der Straße oder im Fitnessstudio an? Also muss die Freundinnenfindung dem Schicksal überlassen werden und ich finde es immer wieder faszinierend, wie auf diese Weise plötzlich tatsächlich neue Menschen in mein Leben treten. Ich bin überhaupt kein Fan von reinen Zweckbündnissen oder freundschaftlichen Beziehungen, die nicht in die Tiefe gehen und vermeide diese daher konsequent. Wenn dann aber wie aus dem Nichts ein Mensch auftaucht, bei dem gleich dieses „Dich-will-ich-haben“ Gefühl einsetzt (natürlich im platonischen Sinne), empfehle ich unbedingt an dieser Freundschaft zu arbeiten und daran festzuhalten, auch wenn es am Anfang natürlich oft ein bisschen mühsam ist ein gewisses Vertrauensverhältnis zu schaffen und die Hürden des ersten Streits zu überwinden. Tiefgründige Freundschaften aufzubauen oder zu erhalten lohnt sich immer.

Grade in Zeiten, in denen der traditionelle Familienbund in unserer Gesellschaft leider immer schwächer wird, dazu Individualität und Selbstverwirklichung im Vordergrund stehen, sind Freunde grade in Großstädten oftmals Familienersatz und Anker. Man mag, liebt und vertraut einander, schätzt sich, teilt sein Leben mit dem anderen. Natürlich nicht so intensiv wie mit einem Partner, aber doch ähnlich. Und obwohl wir uns manchmal eine Zeit lang nicht sehen und wie die Nomaden fremde Länder und Städte durchqueren, bleiben wir über WhatsApp, Snapchat und Facebook so intensiv in Kontakt, als wären wir WG-Partner.

Was mir auf jeden Fall in der letzten Zeit klar geworden ist: Ich sollte meine Freunde noch mehr wertschätzen. Freundschaft muss genau wie die Partnerschaft gehegt und gepflegt werden, sonst verkümmert sie wie eine Topfpflanze, die man nicht regelmäßig gießt.

Hierzu möchte ich am Ende dieser Hommage an die Freundschaft noch eine Studie zu Protokoll geben: Ein Vergleich der OECD-Länder ergab: In den südlichen Ländern wie Griechenland, wo die Menschen oft in Kontakt zu ihren Freunden stehen, ist das Selbstwertgefühl der Bürger höher als in Ländern wie Ungarn oder Japan, in denen die Menschen weniger Zeit mit ihren Freunden verbringen. Das ist doch auch ein schöner Grund, die Bänder der Freundschaft stetig neu zu knüpfen oder zu erhalten, nicht wahr?



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