Die Wilde 13 & ein besonderer Friedhof

Die Wilde 13 & ein besonderer Friedhof

Hamburg ist extrem vielseitig und es lohnt sich die Stadt auch mal außerhalb der Touristenpfade zu erkunden. So könnt ihr zum Beispiel im südlichen Hamburg den multikulturellen Stadtteil Wilhelmsburg entdecken. Wilhelmsburg ist eine Elbinsel (sogar die größte Flussinsel Europas) und am besten mit den Straßenbahnen S3 und S31 zu erreichen, aber auch von den Landungsbrücken mit der Hafenfähre 73  (Haltestelle: Ernst-August-Schleuse), deren Nutzung beispielsweise im Schleswig-Holstein-Ticket inkludiert ist. 

Wer keine Lust hat diesen wirklich besonderen Stadtteil zu Fuß zu erkunden, der kann von der Haltestelle Veddel (Nähe S-Bahn-Station) bequem mit dem Bus umherziehen. Der legendäre Bus 13, genannt „Wilde 13“, düst durch ganz Wilhelmsburg (siehe auch verschiedene YouTube-Dokus) und von einem guten Fensterplatz könnt ihr euch einen ersten Eindruck verschaffen. Wo es euch dann gefällt, da steigt ihr einfach aus. Nach drinnen zu gucken ist aber mindestens genauso interessant wie nach draußen, weil die Spannbreite von unterschiedlichen Menschen verschiedenster Nationalitäten in der Wilden 13 wesentlich größer ist, als in anderen Bussen. 

Ich persönlich war in Wilhelmsburg am meisten von dem ca. einhundert Hektar großen Inselpark begeistert. Wenn ihr Zeit habt, dann nehmt euch ruhig mal einen ganzen Tag für die Entdeckung dieser grünen Oase. Es gibt viele Blumen, Teiche, kleine Wanderwege, Hochseilgärten, einen Rhododendrongarten, den Sansibar-Felsen, einen Skatepark, den Spielplatz Wüstenwellen und vieles mehr. Außerdem lässt sich der Inselpark auch hervorragend per Kanu oder SUP erleben.

Bei der Erkundung des Inselparks zu Fuß stießen wir auf den „Friedhof der guten Ideen“, ein uriger Ort, an dem verwegene Träume und Eingebungen begraben liegen. Die Idee für diesen besonderen Friedhof hatte der Künstlers Mark Wehrmann zur Internationalen Gartenschau im Jahr 2013. Er ließ nicht umgesetzte Träume verschiedenster Menschen in Stein meißeln, wie zum Beispiel „Menschen können mir zu festen Zeiten alles erzählen, was sie bewegt.“ oder „Zuhause mit ihm ein Café führen, solange es noch geht.“ Dazu ging er in den Dialog mit Spaziergängern auf dem Gelände, ließ sich Lebensgeschichten und verlorene Träume erzählen. Nachdem allerhand Ideen zusammenkamen und Wehrmann das Ok für eine Inschrift gab, hakte er schließlich ein letztes Mal nach: Bist du bereit, deine Idee vollends zu begraben? 

Vielleicht werden den heutigen Besuchern dieses Friedhofs die eigenen Sehnsüchte und begrabenen Träume wieder bewusst, vielleicht bekommt ihr selbst beim Lesen aber auch einen Geistesblitz für eine neue kreative Idee. Ein paar der Gräber sind bis heute noch unbeschriftet. Was würdet ihr darauf schreiben? Wendet euch per Mail an Mark Wehrmann: Friedhof-der-guten-Ideen@gmx.de, vielleicht wird auch eure Idee dort begraben. 

Mindestens genauso interessant wie der Friedhof waren für mich die Ökohäuser auf der Elbinsel. So gibt es dort beispielswiese das erste Haus der Welt mit einer Fassade aus lebendigen Algen. Diese Grünalgen liefern Wärme und binden Kohlendioxid durch die Fotosynthese. Das senkt die Nebenkosten und schont die Umwelt, einfach total genial. Informationen über die Häuser könnt ihr direkt neben den Ökohäusern von Infotafeln ablesen und euch so – neben den tollen Designs – von der Nachhaltigkeit beeindrucken lassen.  

Dann gibt es noch die sogenannten „Water-Houses“, Lebens(t)raum, der  ca. 3000 Euro pro Quadratmeter kostet. Die WaterHouses stehen in Regenrückhaltebecken, die an das Kanalsystem angeschlossen sind. Somit können die Bewohner auch mit dem Kanu oder Paddelboot auf einem Rundkurs durch Wilhelmsburg schippern. Außerdem gibt es dort Gemeinschaftsräume für die Bewohner und sogar Unterwassergärten. 

Ich finde den Stadtteil im Großen und Ganzen einfach total kreativ und diese Kreativität zeigt sich an fast jeder Ecke. Gerne würde ich noch auf weitere Highlights in Wilhelmsburg eingehen, aber leider reichte unsere Zeit in der vergangen Woche nicht mehr für weitere Entdeckungen. Für mich steht nach diesem ersten Besuch aber fest: Ich komme wieder, Fortsetzung folgt.  



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