Eine Côte d’Azur Entdeckungstour

Eine Côte d’Azur Entdeckungstour

Letzte Woche habe ich Nizza besucht. Einmal im Jahr mache ich Urlaub mit meiner Mama und dieses Jahr sollte es mal etwas glamouröser sein. Nein das ist Quatsch, eigentlich wollte ich nur schon lange mal Südfrankreich sehen, wieder ein bisschen Mittelmeerluft schnuppern und erleben, was dort wohl für ein Lebensgefühl herrscht.

Aber wie es der Zufall so will waren wir grade passend zu den Filmfestspielen in Cannes vor Ort. Natürlich haben wir uns dort dann auch mal umgeschaut und bekamen viele rote Teppiche, Yachten und Schlauchbootlippen zu sehen. Ein Erlebnis ist es allemal, wenn im fünf Minutentakt die Helikopter landen und schwarze verdunkelte Limousinen vorfahren, die die „wichtigen“ Leute so schnell wie möglich vor dem Pöbel abschirmen. Oder wenn eine 20-köpfige Besatzung eine halbe Stunde vor der Yacht auf dich wartet und dann ein Bediensteter per Handy ankündigt das DU wichtiger Mensch nun gedenkst von deinem Shoppingtrip zurückzukehren und dir dann sofort wohlduftende feuchte kleine Handtücher und Cocktails gereicht werden, während hübsche junge Mädchen deine Einkaufstüten reinschleppen. Ja das ist faszinierend, aber ich muss gestehen, dass ich mir grade bei dieser Gattung Mensch immer ganz besonders wünsche, dass sie irgendwann für diese Dekadenz bestraft werden, weil es im Verhältnis zum Leid auf dieser Welt einfach geschmacklos und ich würde sogar sagen unmenschlich ist sich derartigen Luxus zu gönnen. Natürlich ist es schwer zu beurteilen, wie man sich selbst bei solch krassem Reichtum letztlich verhalten würde, aber ich hoffe und denke: Nicht so.

Wir hatten aber auch noch ein sehr lustiges Erlebnis in Cannes. Die Filmfestspiele riefen natürlich auch viele YouTuber an den Start, ich habe tatsächlich mehrere Pärchen mit teurerem Kamera-Equipment gesehen, die dort ihre Aufnahmen machten. Als wir durch eine einsame Gasse im „Reichenviertel“ schlenderten, startete ein Hippster-Paar mit einer Drohne direkt über uns. Die Drohne folgte uns plötzlich und das hat mich ziemlich aufgeregt, weil man nicht einfach ohne zu fragen andere Menschen so penetrant filmen sollte. Zum Glück sah das eine Möwe ganz genauso. Nachdem sie die Drohne eine Zeit lang angeschrien hatte (so wirkte es tatsächlich) attackierte die Möwe sie plötzlich, und zwar so präzise, dass die Drohne vom Himmel viel und auf den Boden knallte. Als wäre das nicht schon witzig genug, ging die Möwe danach in den Sinkflug, schiss danach auf die Drohne und flog seelig davon. Ich wünschte es gäbe mehr Möwen wie diese 😊

Zum Glück ist Nizza an sich jedenfalls etwas bodenständiger, dort hatten wir ja auch unsere schöne Ferienwohnung mit Meerblick und direkt an der Promenade des Anglais. Ein großer Vorteil war, dass der Flughafen quasi direkt in der Stadt ist (in 5 Minuten mit der Straßenbahn zu unserer Wohnung, das hatte ich noch nie) und die Flugzeuge machen beim Start einen Bogen direkt am Strand entlang, was wir von unserem Balkon aus immer sehr gut beobachten konnten.

Blick von unserem Balkon

Die Vermieterin war unglaublich nett, aber leider blieb sie auch die einzige wirklich freundliche Person in diesem Urlaub. Die Busfahrer waren ganz schlimm, haben meine Mutter mehrfach fast in der Tür eingeklemmt und hatten überhaupt keine Ambitionen uns Touristen verstehen zu wollen. Ich dachte ja immer es sei ein Gerücht, dass die Franzosen kein Englisch sprechen, aber ich habe es immer wieder erlebt, sie wollen oder können es einfach nicht. Wenn man dann natürlich selbst kein Wort französisch spricht wird es schon manchmal schwierig. Was ich besonders schade fand ist, dass zum Beispiel die vielen blauen City-Fahrräder an der Promenade und an den vielen Stationen in der Stadt nur mit vorheriger Registrierung ausgeliehen werden können. Der Witz darin ist, dass diese durchaus umfangreiche Registrierung nur auf französisch möglich ist. Wer leiht sich diese Fahrräder denn bitte aus, wenn nicht grade die Touristen? Einheimische haben ja oftmals selbst ein Fahrrad im Keller. Aber naja, vielleicht wollen sie auch einfach nicht so viele Touristen, dann ist diese Taktik ja durchaus gut durchdacht.

Was mir in Nizza aber unglaublich gut gefallen hat ist die Altstadt mit ihren riesigen Wasserspielen, Schachbrettmustern, bunten Häusern und dem Blumenmarkt. Ich denke da sagen Fotos auch mehr als Worte, also hier ein paar Impressionen:

Was ich ebenfalls unter einem sehr schönen Erlebnis verbuchen kann, ist der Besuch der Villa Ephrussi de Rothschild in Saint-Jean-Cap-Ferrat, rund 9 Kilometer von Nizza entfernt. Besonders erfreut hat mich, dass ich noch als Jugendliche durchgegangen bin und der Eintritt somit nur 10 anstatt 15 Euro gekostet hat 🙂

Die Villa bietet wunderbare Weitblicke auf das Meer und auf die Küste von Villefranche und in die andere Richtung nach Beaulieu. Es gibt dort dann so einen Audioguide zum umhängen (auch in deutsch), der sehr ausführliche Informationen zu jedem Raum liefert und über das dekadente Leben der Baronin Rothschild berichtet. So fühlt man sich sehr gut in die damalige Zeit versetzt und erhält viele interessante Informationen. Danach kann man dann noch die wunderschönen Gärten anschauen, die nach Themen gestaltet sind und seinerzeit von mehr als 30 Gärtnern gepflegt wurden. Von allen Seiten aus hat man dazu noch einen wunderschönen Blick auf das Meer.

Die ganze Anlage spiegelt die Sehnsucht einer Frau nach Glückseligkeit wieder, die aber letztlich erkennen musste, dass Reichtum allein eben nicht glücklich macht. Ein wirklich empfehlenswerter Besuch, für den man sich 1-2 Stunden Zeit nehmen sollte.

Schlussendlich sind wir dann noch für einen ganzen Tag mit dem Zug nach Monaco gefahren. Auch dort zeigte sich wieder jede Mengen Dekadenz, aber das ist ja auch kein Wunder für den zweitkleinsten Staat der Erde, in dem die Hälfte der Einwohner Millionäre sind (Steuerparadies und so).

Monte Carlo konnten wir jedenfalls sehr gut zu Fuß erkunden und ich denke das wir auch an diesem einen Tag alle Highlights des Fürstentums gesehen haben.

Mein Fazit über die Côte d’Azur ist, dass es auf jeden Fall einen Besuch wert ist, wenn es auch teilweise recht überteuert und schnöselig wirkt. Wer gerne reiche Menschen in ihrem natürlichen Lebensraum beobachtet, ist hier genau am richtigen Platz. Aber auch die wunderschönen Altstädte, das Meer und die günstigen Öffis (74 Minuten Fahrt mit Bus oder Straßenbahn = 1,50 Euro) verdienen einen Daumen nach oben.



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