Achtsamkeit – Ein neuer Trend

In letzter Zeit sind mir vermehrt Beiträge über das Thema Achtsamkeit ins Auge gefallen. Kurz gesagt ist das Fazit eigentlich immer, den kleinen Dingen im Leben mehr Beachtung zu schenken, zu begreifen, dass man nur das Jetzt & Hier hat und deshalb für die kleinen Dinge im Leben dankbar sein sollte, anstatt in einer fernen Taumzukunft zu leben, in der man sich dann vielleicht dies und das erarbeitet hat, von dem man ja schon so lange träumt, durch das aber letztlich auch keine Zufriedenheit erlangt wird, weil danach direkt wieder neue Bedürfnisse entstehen (Kapitalismus eben, you know). Konkret bedeutet es also, die Hoffnung abzulegen, dass sich durch diese und jene Änderung im Leben irgendwann ein zufriedener Zustand einstellt und stattdessen den einfachen Moment zu achten, denn letztlich ist die Gegenwart ja auch alles, was wir tatsächlich haben.

Achtsamer durchs Leben zu schreiten bringt dir darüber hinaus nicht nur selbst eine Menge (zum Beispiel ein gewisses Maß an Glückseligkeit), sondern wirkt sich auch positiv auf dein Umfeld aus, da du automatisch auch besser mit Mensch, Tier & Umwelt umgehst. Aber wie genau schaffst du das eigentlich, reicht da schon reine Gedankenkraft? Nö, das ist schon ein bisschen Arbeit.

Was ich jedoch festgestellt habe, ist, dass es manchmal schon ausreicht, einfach mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und sich hin und wieder bewusst zu machen, wie viele Wunder uns eigentlich umgeben. In unserer heutigen Welt ist immer alles selbstverständlich, wissenschaftlich erklärbar oder schlicht weg uninteressant. Aber so ist es eigentlich überhaupt nicht, es gibt so viele unbegreifliche Dinge, die eine echte Faszination durchaus rechtfertigen.

Dazu kann ich euch folgendes Beispiel anbringen: Wie viele Menschen liebe ich es, mir Dokumentationen auf YouTube anzuschauen. So bin ich kürzlich auf einen sehr interessanten Beitrag über Krähen gestoßen. Ständig umgeben uns diese Vögel, sind ein Teil unserer Welt, aber Beachtung schenken ihnen dennoch nur wenige Menschen. In manchen Kulturen gelten sie sogar als Pechbringer oder gar Todesboten. Tatsächlich sind Raben aber unglaublich intelligente Tiere, die gesellschaftliche Strukturen haben wie Menschen und ihr Umfeld (das sich vorzugsweise in der Nähe von uns befindet) genau beobachten und daraus dann auch bestimmte Verhaltensweisen ableiten. Sie lernen sehr schnell, benutzen zielgerichtet Werkzeuge und begreifen auch versteckte Zusammenhänge, was man Tieren im Allgemeinen sonst wohl eher nicht zutraut. Und was außerdem bemerkenswert ist, Krähen erkennen Gesichter – und identifizieren so zum Beispiel noch fünf Jahre nach einer Fangaktion „böse“ Menschen. Auch Vögel, die das Ganze nur beobachtet haben, hatten später Angst vor diesen Gesichtern. Doch nicht nur das: Petzen können die Tiere auch. Unbeteiligte Raben warnen sie sogar, vor wem die sich in Acht nehmen müssen.

Die Experimente, die bislang mit den schlauen Krähen gemacht wurden, haben mich daher nachhaltig beeindruckt. So sehr, dass ich derzeit quasi mein eigenes kleines Experiment mit ihnen führe und daraus sogar schon etwas berichten kann: Ich habe angefangen die Krähen in meiner Nachbarschaft zu füttern, um zu testen, ob sie mich vielleicht irgendwann erkennen. Ein Stück Brot hier, ein paar Weintrauben dort. Letzte Woche ging ich (allerdings ohne Futter) zum Müll rausbringen. Auf dem Rückweg saßen zwei Krähen auf einem Baum, unter dem ich immer hergehen muss, um zum Haus zu gelangen. Plötzlich fiel vor mir eine Walnuss auf den Boden, die eine der Krähen von oben wirklich direkt vor meine Füße fallen ließ. Als ich wieder nach oben sah, fühlte es sich so an, als wenn die Krähen mich erwartungsvoll ansahen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie wussten, dass die Walnuss nicht davon kaputt gehen würde, wenn sie sie aus dieser Höhe auf den Rasen fallen ließen, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass sie in mir eine Hilfe zum Öffnen der Nuss sahen. Also tat ich ihnen den Gefallen und trat auf die Walnuss. Nachdem ich ein bisschen Abstand genommen hatte, schnappten sie sich das Innenleben der Nussschale und flogen davon. Nach allem was ich im Vorfeld über Krähen gelernt habe, weiß ich, dass das kein Zufall war und irgendwie war das für mich ein wirklich schöner Moment.

Achtsamkeit ist eine besondere Form der Aufmerksamkeit, an der ihr also in den verschiedensten Varianten arbeiten könnt. Öffnet eurer Bewusstsein für die schönen Dinge die euch umgeben, seid fasziniert von eurer Umgebung, beobachtet sie einfach mal und genießt die kleinen und großen Wunder, es lohnt sich.

Nähen & Podcasts

Es ist soooo kalt draußen. Auch wenn die Sonne scheint, trübt einen manchmal dieser schöne Schein, der Wind ist beißend kalt, die Straßen glatt. Was macht man also in dieser Situation? Im warmen Zuhause bleiben.

Zuhause ist es ja auch ganz heimelig und es gibt neben den gängigen Beschäftigungsmöglichkeiten, die meist mit digitalen Medien und reinstarren zu tun haben, auch noch ganz viele andere schöne, kreative Zeitvertreiber. Zu meinen Winterhobbys zählt beispielsweise das Nähen. Nähen ist eine schöne Kombination aus basteln, designen und eben etwas zusammenbringen. Ich mag es sehr, im Internet nach Schnittmustern zu suchen, verschiedenste Stoffe auszuwählen, Farben zu kombinieren und mich schließlich ans Ausschneiden der Stoffmuster zu begeben, um damit den kreativen Prozess in Gang zu bringen.

Dazu eine Tasse Tee und etwas ganz Neumodisches, aber eigentlich auch nicht: Podcasts. Podcasts sind Serien von Audiodateien, also eigentlich wie ein Blog angelegt, aber eben akustisch. Das Abonnieren und Herunterladen von Podcasts ist immer kostenlos und bei meinem iPhone gibt es beispielsweise die bereits vorinstallierte App „Podcasts“, wo man je nach Themenwunsch schon ganz viele spannende Serien finden kann. Ansonsten könnt ihr aber auch gerne bei YouTube gucken und dort sicher auch eure Wunschthemen finden.

Ach wie gerne habe ich mir als Kind Kassetten angehört und nebenbei gemalt oder gebastelt. Nun gehe ich diesem schönen Hobby erneut nach, nur eben auf Erwachsenenart.

Minimalismus

Besitz verpflichtet. Ich denke, das wird jedem von uns früher oder später einmal bewusst. Je mehr wir haben, desto mehr können wir verlieren. So viele Dinge können kaputt gehen, gestohlen werden, verderben, verrotten oder vielleicht vergessen wir sie auch einfach irgendwo.

Dann ärgern wir uns, wenn eines unserer vielen Besitztümer schaden erleidet oder plötzlich weg ist. Und das macht unser Eigentum zu Ballast. Je mehr wir davon anhäufen, je mehr Last bürden wir uns auf, die wir tragen/beschützen müssen. Wir leben in einer Welt von völligem materiellen Überfluss, in der wir aber auch permanent unter einem sozialem Kaufdruck stehen, sei es durch Werbung oder Mitmenschen, denen man imponieren oder nacheifern will.

Ich habe insbesondere in den letzten zwei Jahren für mich selbst begriffen, dass ich lieber aus diesem Kapitalismus-Laufrad aussteigen möchte. Mein Leben soll nicht von dem Anhäufen von Dingen bestimmt werden, es soll kein Streben nach Besitz sein. Ich möchte keine Anerkennung von Leuten bekommen, weil ich mir dieses und jenes leisten kann, sondern weil ich ein guter Mensch bin, weil meine Persönlichkeit überzeugt oder ich etwas Gutes getan habe. Das ist mein Wunsch.

Natürlich habe ich auch materielle Wünsche und Träume, die ich mir irgendwann einmal erfüllen möchte, aber lange nicht mehr in dem Maße wie ich sie vielleicht früher einmal gehabt habe. Und deswegen überlege ich mir inzwischen vor jedem Kauf, bei dem es nicht um Nahrungsmittel geht, ganz genau, ob ich das WIRKLICH brauche und arbeite in meinem Kopf eine Liste mit Fragen ab:

  • Kann ich auch ohne das Teil leben?
  • Will ich das auch wirklich haben?
  • Habe ich schon etwas, das genauso ist?
  • Wie viel habe ich davon bereits?
  • Wie viele Stunden muss ich arbeiten, um es mir leisten zu können?
  • Wie lange wird es mich glücklich machen?

Komme ich trotz all dieser Fragen, die im Geschäft, mit dem Produkt in der Hand, in meinem Kopf rumschwirren, zu einer Kaufentscheidung, habe ich ein neues, ganz simples System (welches ich natürlich nicht erfunden haben, aber seit Kurzem gewissenhaft anwende), um keinen weiteren Besitz anzuhäufen: Für jedes neu erworbene Teil muss ein Altes weichen. Egal, ob zur Kleiderkammer, auf den Flohmarkt oder eventuell auch in den Müll: Wird etwas neues angeschafft, muss ein altes Teil noch am gleichen Tag aussortiert werden.

Seit ich angefangen habe, zusätzlich einige Dinge in meiner Wohnung in Kartons in den Keller zu packen, um einfach weniger rumstehen zu haben, fühle ich mich viel freier und es gefällt mir auch optisch um einiges besser. Die eigene Wohnung ist ja schon ein bisschen der Spiegel der eigenen Seele, es gibt sogar Wohnraumpsychologie etc. pp und deswegen macht es nicht nur räumlich einen Unterschied, ob alles aufgeräumt und übersichtlich, oder vollgestopft und chaotisch ist, sondern wirkt sich natürlich auch auf das Wohlbefinden und somit den Geist aus.

Neulich habe ich irgendwo gelesen, dass sich von dem ganzen Ballast, den du nicht wirklich brauchst, zu trennen, der erste Schritt und somit der Einstieg in eine minimalistische Lebensweise ist. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, inwieweit ich diesen Schritt auch auf Dauer umsetzen kann und dann in der Lage bin, eventuell einen ganzen (Lebens-)weg so zu bestreiten. Fortsetzung folgt.

Brauchen wir Silvester?

Das alte Jahr ist abgeschlossen, das Neue noch ganz frisch. An und für sich bedeutet mir Silvester als Event seit einigen Jahren eigentlich nichts mehr. Es ist doch jedes Jahr das Gleiche und außer der Jahreszahl ändert sich absolut nichts, auch wenn es gerne so emotional dargestellt wird und ich mir als Teenie auch immer mit einer gewissen Dramatik eingeredet habe, im neuen Jahr wird alles viel besser und toller und überhaupt ganz anders. Aber seien wir ehrlich, wer wirklich eine Veränderung in seinem Leben möchte, sollte und kann diese jederzeit selbst herbeiführen oder zumindest daran arbeiten und nicht nur am Jahresende davon träumen.

Dem ganzen Feuerwerksgeballere stehe ich inzwischen auch eher skeptisch gegenüber, es ist eigentlich ein Verbrechen an unserer Erde und irgendwie auch an der Menschheit. Die ganzen Böller verursachen nicht nur extrem viel Müll (in Großstädten ist das wirklich tonnenweise Dreck), sondern auch enorm verschmutzte Luft. Das jährliche Silvesterfeuerwerk setzt nämlich rund 4.500 Tonnen Feinstaub frei, das entspricht 15,5 Prozent der Menge, die pro Jahr alle Autos in Deutschland zusammengenommen in die Luft blasen. Außerdem verstört es die Tiere, insbesondere Vögel und am Ende halten sie den Raketenmüll noch für Nahrung und verenden im schlimmsten Fall qualvoll daran. Ein weiterer ebenso wichtiger Negativaspekt ist die Geldverschwendung. Während auf der ganzen Welt zeitgleich Menschen verhungern, ballert unsere Wohlstandsgesellschaft das Geld lieber in die Luft, anstatt es eben diesen Menschen zu geben, wenn es doch scheinbar sowieso über ist. Wenn man sich darüber wirklich einmal Gedanken macht, ist diese Ignoranz eigentlich kaum zu fassen und macht unsagbar traurig. Allein die Deutschen geben jährlich zwischen 100 und 150 Millionen Euro für Feuerwerkskörper aus. Wie viele Menschen könnte man dafür wohl ernähren, ihnen ein Dach über dem Kopf geben oder in Bildung investieren? Tun wir aber leider nicht. Was mir dennoch besonders in diesem Jahr aufgefallen ist, dass bei vielen Menschen die gleichen Gedanken immer mehr in den Vordergrund treten und sich ein Umdenken einstellt. Bei Facebook, Twitter & Co. wurden vor Silvester sehr viele kritische Beiträge zu dem Thema Feuerwerk veröffentlicht und ich hoffe und glaube, dass all diese wirklich einleuchtenden Gründe zeitnah zu einer Veränderung führen werden. Ich könnte mir vorstellen, dass die Feuerwerke bald in den Großstädten und irgendwann auch deutschlandweit verboten werden, wie es bereits in vielen Ländern der Fall ist, zum Beispiel bei unseren Nachbarn, den Dänen.

Was ich an Silvester trotzdem gut finde ist das alte Jahr einfach mal Revue passieren zu lassen und darüber nachzudenken, wie viel man eigentlich erlebt und mit wie vielen glücklichen Momenten man beschenkt worden ist. Ich habe zum Beispiel meine ganzen Fotos, die ich 2018 gemacht habe, angeschaut und daraus einen kleinen Film gemacht. So ist mir dann richtig deutlich geworden, wie lang das Jahr doch tatsächlich war und was ich eigentlich alles gemacht und gesehen habe. Viele Dinge vergisst man leider schnell oder ordnet sie zeitlich schon viel weiter weg ein, sodass die Überraschung bei mir dann doch recht groß war, als ich die vielen vielen Fotos habe ablaufen sehen. Nachdem ich das letzte Jahr dann noch einmal bildlich und gedanklich durchgegangen bin, konnte ich es wie einen abgeschlossenen Vorgang in meinem Büro mit „erledigt“ stempeln und zu den Akten legen. Nicht vergessen, aber dennoch abgeschlossen, bereit für die Bearbeitung eines neuen Falles, das Jahr 2019.

Die Einsamkeit der Alten

Gestern war ich mit einer Freundin in einem Café. Nach zwei Stunden musste sie den nächsten Bus kriegen und ich hatte noch einen Termin in der Stadt, also blieb ich noch ein Weilchen auf meinem Platz vor einer frischen Tasse Kaffee sitzen. Was mir bis zum Verschwinden meiner Freundin nicht aufgefallen war: Alle 5 Tische, die in unmittelbarer Umgebung zu meinem eigenen standen, waren von jeweils einer Person Ü60 besetzt. Es waren vier ältere Damen und ein Herr, jeder hatte ein Stück Kuchen vor sich,  ansonsten aber nichts und niemanden. Sie alle machten einen eher traurigen Eindruck und ich konnte mir lebhaft vorstellen, wie sie nachmittags die Entscheidung trafen, ihre kleinen, stillen Wohnungen für ein paar Stunden zu verlassen und zumindest anderen Menschen beim Leben zuzuschauen, wenn sie schon niemanden mehr hatten, der sie an dem ihren teilhaben ließ.

Verschiedenen Statistiken zufolge (richtig aussagekräftige Studien gibt es in Deutschland noch gar nicht) sind rund 8 Millionen Menschen im Alter von 60 – 99 Jahren von Einsamkeit betroffen. Worin sich die meisten Institute, Behörden etc. zudem einig sind, ist, dass es heute deutlich mehr einsame Menschen in Deutschland gibt, als noch vor zwanzig Jahren und die Zahl der Vereinsamten weiter zunimmt. 

Zurück zum Café. Es war ein trauriges Bild. Was ich aber gleichzeitig interessant fand, war, dass zwei der Damen sogar den gleichen Pelzhut trugen.

Im Prinzip ist es ja so einfach, sich zu jemanden an den Tisch zu setzen und die eigene Einsamkeit zu beenden, aber gleichzeitig ist es auch so verdammt schwer. Warum sind wir alle so sozialisiert, dass wir immer nur die gesellschaftlichen Regeln befolgen, in denen man sich eben nicht zu einer Fremden an den Tisch setzt (die ja sogar den gleichen Hut auf hat und dazu genauso einen einsamen Blick wie ich selbst), obwohl man sich doch so viel zu erzählen hätte. Weil wir Angst vor Abweisung haben? Weil unsere Schüchternheit uns daran hindert?

Wieso können wir Menschen nicht einfach offener und ehrlicher miteinander umgehen, indem wir unserem gegenüber einfach sagen können, wenn wir lieber alleine sein wollen, aber eben auch, wenn wir gerne ein nettes Gespräch führen möchten, sei es auch mit einer Fremden. 

Solange diese Hemmschwelle nicht überwunden wird, werden wohl noch viele alte und natürlich auch junge Leute einsam vor ihren Kaffeetassen sitzen und Chancen auf echte Freundschaften verpassen. Schade. 

Das königliche Spiel

Normalerweise bin ich nicht der Typ, der gerne Gesellschaftsspiele spielt. Es kostet mich meist sogar echte Überwindung bei solchen Spielen mitzumachen, auch wenn es am Ende dann meist doch nicht so schlimm ist, wie zunächst befürchtet. Meine Eltern mögen diese Art der Unterhaltung auch nicht, vielleicht liegt es also auch daran, dass Spielen in unserer Familie keinen Stellenwert hat. 

Es gibt jedoch ein Spiel, nach dem ich süchtig bin, das nie langweilig wird und welches ich die ganze Nacht hindurch spielen könnte: Schach. 

Ich habe eine Freundin, mit der ich bei unseren Treffen seit geraumer Zeit eigentlich immer Schach spiele, ein Ritual, dass wir beide lieben und dass sich wirklich schön entwickelt hat. Bei einem gemeinsamen Roadtrip im vergangenen Jahr habe ich einfach mal mein hölzerneres Schachspiel eingepackt und so kam es, dass wir unsere Spielfiguren nach kurzer Zeit überall aufstellten. Wir spielten auf Wiesen und Feldern, an rauschenden Bächen in Österreich, auf Halfpipes in coolen Skaterparks, in Wiener Cafés und Venedig. 

Es war toll und sobald eine von uns verlor wurde eine Revanche eingefordert, sodass wir kein Ende fanden und erst mit Einbruch der Dunkelheit von der Halfpipe rutschten, um dann zu merken, dass inzwischen Stunden vergangen waren. 

Strategien zu entwickeln, Gegner abzuwehren und den König irgendwie schachmatt setzen, das fordert den Geist und lässt einen oftmals die Zeit vergessen. 

Außerdem ist es für Winter und Sommer gleichermaßen geeignet. Im Sommer spiele ich gelegentlich mit meinem Mann direkt am Meer, auf einem großen Outdoor-Feld an der Niendorfer Promenade, im Winter auf dem Teppich vor der Heizung. Eine Freizeitaktivität die ich entsprechend zu keiner Jahreszeit missen möchte. 

Falls ihr also Schach spielen könnt und es einfach seit Ewigkeiten nicht mehr gemacht habt, sucht euch doch einfach mal einen Partner, entstaubt das alte Brett und verliert euch genauso in diesem wundervollen Spiel wie ich. Falls ihr es noch nicht könnt: Lernt es. Mit YouTube & Co. sollte das ja kein Problem sein, oder vielleicht kennt ihr auch jemanden der es euch gerne zeigt und selbst mal wieder Lust auf eine Partie hat. 

Viel Spaß 💕

Der Winter naht

Heute morgen ist in Lübeck der erste Schnee gefallen. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie schnell sich die Jahreszeiten plötzlich doch wandeln. Auf einmal ist die Übergangsjacke zu kalt, Fahrrad fahren ohne Handschuhe kommt gar nicht in frage und die Ohren wollen vor dem kalten Wind geschützt werden. 

Aber auch der Winter hat seine Vorzüge, wenn er nur nicht immer so lang und grau sein würde. Bei Schnee sieht die Situation natürlich ganz anders aus, die Welt wird mit einem mal leise und friedlich, überdeckt von einem dicken, weißen Mantel, wunderschön und märchenhaft.

Unablässig rieseln an einem richtigen Wintertag die Schneeflocken vom Himmel, dieses einzigartige Wunder, das die Welt zum Staunen bringt. Denn bei näherem Hinsehen sind Schneeflocken wahre Kunstwerke, bestehend aus winzigen, völlig symmetrischen Sternchen und das Faszinierendste daran: Keine Schneeflocke gleicht der anderen. Das einzige was jede gemeinsam hat, ist die Anordnung in Sechsecke. 

Zu wissen, das diese kleinen Flöckchen also nicht nur wunderschön (wenn auch nur unter dem Mikroskop sichtbar), sondern auch noch einzigartig sind, lässt mich den Schnee gleich noch toller finden. 

Und daher freue ich mich trotz Kälte, glatten Straßen und überforderten Busunternehmen bereits jetzt auf den richtigen Winter, der bestimmt bald kommt. 


Ein Herbstgedicht

Heftig fegt mir der Nordwind ins Gesicht und bewegt die See, überall tobt die Gischt, klatscht an Felsen und Steine, fegt übers Wasser wie stürmender Schnee.

Ich atme tief ein und genieße das Aufbäumen der Natur, vorbei ist der Sommer, heftig hinweggefegt von Wald und von Flur. So stark, ja so mächtig diese Naturgewalten, es ist an der Zeit sich den Hut wieder am Kopf festzuhalten.

Die Herbststürme toben wie ein wütender Mob durch die Luft, reißen die bunten Blätter aus den Baumkronen, in den Wäldern liegt ein herbstlicher Duft. Es riecht nach Astern, Chrysanthemen und Pilzen, viele bleiben lieber zu Hause, Start frei für die Saison zum nähen, häkeln und filzen. Kerzen um die Badewanne drapiert, hinein ins warme Nass, scheiß auf die Kohlenwasserstoffe in der Luft, wäre doch schlimm wenn man friert, nene das wäre zu krass. Die Fenster bleiben zu, die Kerzen an, der Sturm bleibt draußen, wo ist mein Mann? Vergeblich suche ich ihn, er scheint nicht zu Haus, es gibt doch Kürbissuppe zum Abendbrot, wieso geht er da noch mal raus?

Ich steh am tosenden Meer, mein Blick geht starr geradeaus, stelle mir vor wie es wär, vom Wind davon getragen in die weite Welt, einfach raus. Mit dem Herbststurm davon in ein Land meiner Wahl, in den Süden vielleicht oder ist das banal? Ein Wetter das niemals zum Jammern einlädt? Ein Wind der nicht tobt, ein seichtes Lüftchen das weht? Nein das wär nichts für mich, ich brauch die raue See. Und so wird es Zeit endlich aufzubrechen, nicht in die Welt sondern Heim, Frau und Kürbissuppe warten, danach gibt es Tee.

Das Stichwort heißt Entschleunigung

Wie oft nehmt ihr euch im Alltag bewusst Zeit für euch selbst? Wie oft nehmt ihr euch dann wiederum Zeit für Andere, sei es im Beruf oder in der Freizeit? 

Ich denke bei den meisten von uns ist die Waage ziemlich unausgeglichen, das schwerere Gewicht liegt eindeutig auf der Seite der Anderen. Oft lässt sich das auch gar nicht vermeiden, jeder hat Termine, Vereinbarungen, Verabredungen usw. ohne die der Alltag nicht funktioniert. Oder doch? 

Zur Entschleunigung des Alltags würde ich mir hin und wieder einfach mal meinen Kalender schnappen und schauen, welche Aktivitäten (abgesehen von den beruflich Verpflichtenden natürlich) mir eigentlich wirklich Spaß machen und welchen Aktivitäten ich nur noch aus Routine oder anderen Menschen zuliebe nachgehe. Und hier muss dann auch mal konsequent der Rotstift angesetzt werden, denn ein bisschen mehr Me-Time ist eine Bereicherung für jeden von uns.

Wie soll man sonst auch jemals die höchste aller Bedürfnisstufen -die Selbstverwirklichung- erreichen, wenn vor lauter Alltagsrumgehetze gar keine Zeit mehr bleibt, sich zu fragen, was will ich eigentlich? Was macht mir von Herzen Freude und wie würde ich mich gerne verwirklichen?

Natürlich darf man auch mit den kleineren Dingen zufrieden sein und muss nicht immer gleich nach den Sternen greifen, vor allem wenn man noch gar nicht weiß, welcher eigentlich der richtige Stern für einen ist und wie man ihn dann auch noch erreichen kann. Daher reicht es auch, manchmal einfach nach Hause zu kommen und nur für sich selbst ein gesundes, leckeres Essen zuzubereiten, um dem eigenen Körper etwas Gutes zu tun und mal nur seinem eigenen Geschmack zu folgen. Danach ein Buch lesen, in der Badewanne entspannen – die Klassiker eben, die uns runterbringen, bei denen wir uns rundum wohlfühlen und die oftmals leider viel zu kurz kommen.

Wann seid ihr das letzte mal nur um eurer selbst Willen planlos durch die Gegend gelaufen, einfach so, ohne Termin und Ziel, nur weil euch grade danach war und die Sonne schien? Wann seid ihr das letzte mal einen ganzen Tag nur euren eigenen Bedürfnissen und Wünschen gefolgt ohne Rücksicht auf euer Umfeld? 

Falls ihr euch diese Fragen nicht beantworten könnt, wird es mal wieder Zeit euch selbst mehr Beachtung zu schenken und den Fokus auf die eigenen Bedürfnisse zu legen. Also los, Termine streichen, durch Ich-Zeit ersetzen und damit happy sein.

Hier noch ein paar Entschleunigung-Tipps für die Küstenkinder unter euch oder solche die es werden wollen:


Muscheln sammeln und danach bei Pinterest nach Bastelideen suchen.

Im Sand liegen, Augen schließen und dem Wellenrauschen lauschen.
Vorbeiziehende Schiffe beobachten und sich an Deck träumen.
Bis zu den Knöcheln barfuß im Meer entlang spazieren.
Drachen steigen lassen am Strand.
Bilder in den Sand malen.
Eine Sandburg bauen.
Möwen füttern.
Durchatmen.

Die Sprache der Bäume

Die deutschen Wälder umfassen circa 32 Prozent der Gesamtfläche unseres Landes. Die Deutschen lieben ihre Wälder und beschützen diese auch mit großer Ernsthaftigkeit, was erst jetzt wieder am Beispiel des Hambacher Forsts deutlich wurde, für dessen Erhalt sogar im weit entfernten Lübeck demonstriert wurde. 

Der Wald als solcher ist ein Rückzugsort für Menschen vor Lärm, Hektik, verschmutzter Luft und natürlich auch vor anderen Menschen. In diesem Beitrag möchte ich allerdings nicht auf die vielen positiven Effekte eingehen, die der Wald zweifelsfrei auf Seele & Gesundheit ausübt, sondern ich möchte etwas über die spannenden Netzwerke der Bäume und Pflanzen erzählen. Den meisten Menschen ist nicht bewusst, was für ein unglaubliches System der Wald überhaupt ist und das die Bäume mit weltweit über 2000 Vokabeln kommunizieren können (nach bisherigen Forschungsergebnissen, vermutlich sind es noch viel mehr). 

Der Wald ist ein riesiger Organismus in dem von kleinsten Bakterien über Pilze, Pflanzen und Bäumen alles miteinander vernetzt ist. Der Wald quasselt sozusagen in einer Tour miteinander, es findet ein permanenter Nachrichtenaustausch statt und die wichtigsten Gesprächspartner sind die Pilze.

Pilze teilen sich nämlich ihr Gebiet mit den Wurzeln der Bäume und können so Kontakt mit diesen aufnehmen. Wir sehen vom Pilz – ähnlich wie bei einem Eisberg – nur den oberen Teil, den Fruchtkörper, der Rest spielt sich im Untergrund ab. Und hier wird es spannend:

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass jeder Baum ein internes Kommunikationssystem besitzt, in dem die Baumkrone mit der Wurzel – der Leitzentrale des Netzwerkes – spricht und umgekehrt. Die feinen Wurzelspitzen prüfen den Boden ständig auf Nährstoffgehalt und Feuchtigkeit. Bei Trockenheit senden sie über die Wasserleitungen des Baumes hydraulische Signale nach oben, die die Blätter dann dazu veranlassen, weniger Wasser zu verdunsten. Andersrum empfängt die Wurzel beispielsweise bei einem Schädlingsbefall eine entsprechende Benachrichtigung von oben. 

Die Wurzeln im Boden wachsen wie die Äste der Krone, aber wenn die Wurzelspitzen durch Bodenstoffe erkennen, dass Verwandte in der Nähe sind, stellen sie das Wachstum in diese Richtung ein, damit die Artgenossen genug Platz bekommen. 

Wenn die Bäume nun aber über größere Distanz miteinander reden wollen, brauchen sie Helfer: Die Pilze. Pilze spinnen ein unterirdisches Netz aus dünnen Fäden, die kilometerlang sein können und die Wurzeln der Bäume umhüllen. Der Pilz liefert dem Baum auf diese Weise Stickstoff und Phosphor und erhält im Gegenzug Zucker aus der Photosynthese. 

Das Geflecht der Pilze kann ganze Wälder vernetzen, deswegen nennen die Forscher es auch das Wood-wide-web, das Internet des Waldes. 

Bäume erfahren dadurch, ob es anderen Bäumen gut geht oder ob sie Hilfe benötigen. Außerdem wird der eigene Nachwuchs über das Pilznetzwerk versorgt. Ähnlich wie bei Menschen oder Säugetieren gibt der Mutterbaum seinem Kind Nahrung, hier in Form von Zucker, nur das ein Dritter -der Pilz- sozusagen beim säugen hilft. Ohne dieses System könnten die Jungbäume nicht überleben. 

Niemals hätten sich die Wälder ohne die Kommunikation mit den Pilzen so weit verbreiten können, vielleicht hätte der deutsche Wald auch so manchen Klimawandel nicht überstanden. 

Faszinierend oder?