Back to the roots

Back to the roots

Früher hatten fast Alle Landwirtschaft zu Hause. Meine Eltern durften bei ihren Eltern noch kräftig mit anpacken und meine Großeltern waren wiederum fleißige Helfer beim Ackerbau und in der Viehhaltung meiner Urgroßeltern. Auf dem Land war die Selbstversorgung bis vor wenigen Jahrzehnten nicht nur selbstverständlich sondern auch lebensnotwendig. Durch unabsehbare Ernteerträge, Hungersnöte, Seuchen und Krieg waren die Menschen Notlagen oft schutzlos ausgeliefert. Darum erfolgte die soziale Absicherung in Unglücksfällen allein im eigenen Haushalt. Diese Art der Selbstversorgung war natürlich wenig romantisch, aber eben zweckmäßig.

Dann verbesserten sich nach und nach die landwirtschaftlichen Methoden, menschliche Arbeitskraft wurde durch Maschinen ersetzt, die Industrialisierung begann. Was früher in fleißiger Handarbeit in der Familie zu Hause produziert wurde, übernahmen immer mehr die expandierenden Unternehmen. Der Handel weitete sich aus. Produktivität und Einkommen wuchsen auch, die Menschen hatten plötzlich viel mehr Geld und Freizeit, aber auch die bis dato geführten Familienverbände, die ja auch Versorgungsgemeinschaften waren, zerfielen nach und nach. Zum Arbeiten zog man in die Stadt, erstmalig war genug Geld und Freizeit vorhanden, um sein eigenes Leben zu hinterfragen und anzufangen, nach individueller Selbstentfaltung zu streben. 

Leider wurde jedoch schon bald Produktion und Dienstleistung in jeglicher Form aus den privaten, zunehmend kleiner werdenden Haushalten, nach draußen verlagert, sodass wir selbst heute nur noch zur Arbeit gehen müssen, mehr nicht. Alle materiellen Bedürfnisse können im Einkaufscenter etc. befriedigt oder sogar online direkt nach Hause geliefert werden. Weder die Betreuung von Kindern und alten Menschen noch die Pflege der eigenen Wohnung muss noch selbst erledigt werden, wir können einfach ALLES an Externe abgeben.

Was mir persönlich darin nicht gefällt, ist, dass wir selbst in unserem Leben dadurch nur noch Dirigenten, aber keine aktiven Spieler mehr sind. Die Kreativität, etwas selbst herzustellen, geht -neben den sozialen Aspekten- komplett verloren und es macht darüber hinaus auch nicht wirklich Spaß, die spanischen Pestizidtomaten in den Einkaufswagen zu werfen und sich dann zu Hause über den wässrigen Geschmack zu ärgern. 

Umso schöner ist es darum, den neuen Trend in den Großstädten zu beobachten, der ganz klar zeigt, dass viele Menschen so fühlen wie ich und wieder selbst etwas (er-)schaffen möchten, ohne dabei jedoch auf die Annehmlichkeiten der großen Stadt zu verzichten. Und damit komme ich zum eigentlichen Thema meines heutigen Blogbeitrages: Schrebergärten werden wieder hip & cool bzw. sind es eigentlich schon längst. 

Rasen mähen, Blumen gießen, Unkraut jäten, letztlich einfach in der Erde buddeln, es macht wirklich Spaß. Wer in der Stadt wohnen will, muss in der heutigen Zeit Kompromisse beim Wohnraum eingehen und so kommt es, dass man teilweise für eine gute Lage und einen bezahlbaren Preis auf der anderen Seite sowohl auf Garten als auch Balkon verzichten muss.

So ist es auch bei uns und da wir in der Nähe einer Schrebergartenanlage wohnen, träumte ich eigentlich vom Moment unseres Umzugs an von einem eigenen kleinen Garten. Nun ist es aber in Lübeck so (und in Städten wie Hamburg oder Berlin noch extremer), dass es mit den Kleingärten schon fast wie mit Baugrundstücken und Wohnungen zustatten geht, es herrschen die Gesetze von Angebot und Nachfrage. Wer zahlt, gewinnt und viele sind bereit zu zahlen, das ist (m)ein Problem.

Ursprünglich wollte ich unbedingt einen Garten direkt an der Wakenitz, damit wir für längere Flusstouren noch ein Kanu kaufen und von unserem Garten direkt ins Wasser übersetzen können. Dummerweise verfolgten aber viele Lübecker diesen Plan. Nach zig Gartenbesichtigungen, wo wir an einem sonnigen Sonntag teilweise die 40. oder 50. Interessenten waren (neben den anderen 100 die erst gar nicht zur Besichtigung eingeladen wurden), gab ich den Plan auf. Die Gärten an sich waren teilweise nicht mal schön, es hätte viel daran gemacht werden müssen, aber einzig und allein die Lage veranlasste manche Menschen dazu, direkt 4.000 – 8.000 Euro in bar mitzubringen und die Konkurrenz dadurch auszustechen. Für eine kleine Laube und ein paar Gartengeräte fand ich diesen Abstand an den Vorpächter jedoch auch immer viel zu hoch. 

Der Traum vom eigenen Garten existierte aber trotz dieser Niederschläge weiter in meinem Kopf und so ergab es sich bei einer meiner ebayKleinanzeigen-Recherchen, dass mir ein sehr schöner, eingewachsener aber dennoch gepflegter Garten ins Auge fiel, der zwar nicht in unmittelbarer Nähe zur Wakenitz, dafür aber nur 4 Fahrradminuten von unserer Wohnung entfernt liegt. Was soll ich sagen, es war Liebe auf den ersten Blick. Bei keinem Garten hatte ich bisher das Gefühl, dass es meiner sein könnte, aber dieser Garten war genau das, was ich gesucht hatte. Wir haben ihn sofort genommen.

Ich kann daher nur jedem Lübecker raten, seinen Radius ein bisschen zu vergrößern und sich nicht nur auf die Wakenitzlage zu fokussieren, denn auch wir sind in zwei Minuten Fußweg am Fluss und wenn man einen kleinen Bootsanhänger mit Rädern kauft, müssen nicht mal Kompromisse eingegangen werden, nur das man so am Ende tatsächlich mehrere tausend Euro sparen kann und die sollten einem der Fußweg ja durchaus wert sein. Außerdem hat man im Sommer nicht mit so vielen Mücken zu kämpfen.

Nun sind wir also Gartenbesitzer und das veranlasst mich, meinen Blog in Zukunft auch als Gartenbloggerin zu nutzen. Ehrlich gesagt habe ich derzeit noch so gut wie keine Ahnung von Gartenarbeit, aber ich dachte mir, wir können ja einfach zusammen daran wachsen.

Eure gartenliebende Meerliebe



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