Großstadtdschungel

Großstadtdschungel

Städte die für mich früher einen Großstadtcharakter hatten, empfinde ich inzwischen oftmals als doch recht überschaubar. Aber es gibt sie natürlich, die wirklich großen Großstädte. Für mich sind das grundsätzlich all die Städte, die U-Bahnen und Straßenbahnen besitzen, alle anderen Großstädte (laut gesetzlicher Definition ab einer Einwohnerzahl von mindestens 100.000) fallen unter meine Kategorie „kleine Großstädte“. Ich selbst habe mich bei der Wahl des neuen Lebensmittelpunktes für eine kleine Großstadt entschieden und immer wenn ich in Berlin, der größten Großstadt im deutschsprachigen Raum bin (was ungefähr 4 mal im Jahr vorkommt), erweist sich diese Entscheidung als richtig. Es gibt andere Großstädte, die ich mir durchaus als Wohnort vorstellen könnte, allen voran Wien (ein anderes Thema zu dem bald noch mehr Beiträge folgen), aber Berlin ist mir einfach zu viel. Man hat das Gefühl, dass die Menschen dort ärmer sind als der Landesdurchschnitt, die Bettler klopfen den fahrenden Autos an die Scheiben und erbitten während der Fahrt Centbeträge, was ich bisher sonst nur im Ausland erlebt habe und wo man hinschaut, fallen einem Obdachlose ins Auge. Viele Menschen wirken perspektivlos, so als hätten sie sich schon vor langer Zeit aufgegeben und so werden sie auch von der Gesellschaft bereits seit Jahren ignoriert.

Als wir letzte Woche in Berlin waren, haben wir unser Auto geparkt und uns ein U-Bahn-Ticket gekauft (was wir nun immer sehr pflichtbewusst tun, dort wird nämlich doch recht häufig kontrolliert und ja wir mussten das letzte mal 120 Euro bezahlen + Schamgefühl gratis obendrauf). Zehn Minuten in der U-Bahn haben ausgereicht, um mir bewusst zu machen, wie anders sich die Menschen im Großstadtdschungel teilweise benehmen, sofern sie sich denn überhaupt benehmen. Zunächst fiel mir eine Gruppe Jugendlicher auf, die darüber diskutierten in welchem Mischverhältnis sie gleich ihre RumCola Getränke mixen. Es war Mittwoch 12.30 Uhr, keine Ferien. Während sie darüber diskutierten, sprach eine alte Frau die dort auf ihrem Sitz saß, ein junges, stehendes Mädchen an, dessen Rucksack sie inzwischen im Gesicht hatte, ob diese ein Stück zur Seite gehen könnte, damit die alte Frau mehr Platz habe. Die Antwort des Mädchens war „Halt die Fresse“ und damit wandte sie sich wieder dem Getränkethema zu. Beim Verlassen der U-Bahn Station kam uns ein offensichtlich geisteskranker Mann entgegen, der sich selbst unentwegt anschrie. Als wir weiter der Straße folgten, befuhr ein Fahrradfahrer die Straße und beanspruchte einen großen Teil der Fahrbahn. Ein LKW überholte langsam und hupte den Fahrradfahrer an, woraufhin dieser ihm als Erwiderung seinen Mittelfinger zeigte.

10 Minuten Berlin, 10 Minuten das Gefühl, dass es mit dem gegenseitigen Verständnis füreinander und einem friedlichen Zusammenleben steil bergab geht.

Eure enttäuschte Meerliebe



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