Minimalismus

Besitz verpflichtet. Ich denke, das wird jedem von uns früher oder später einmal bewusst. Je mehr wir haben, desto mehr können wir verlieren. So viele Dinge können kaputt gehen, gestohlen werden, verderben, verrotten oder vielleicht vergessen wir sie auch einfach irgendwo.

Dann ärgern wir uns, wenn eines unserer vielen Besitztümer schaden erleidet oder plötzlich weg ist. Und das macht unser Eigentum zu Ballast. Je mehr wir davon anhäufen, je mehr Last bürden wir uns auf, die wir tragen/beschützen müssen. Wir leben in einer Welt von völligem materiellen Überfluss, in der wir aber auch permanent unter einem sozialem Kaufdruck stehen, sei es durch Werbung oder Mitmenschen, denen man imponieren oder nacheifern will.

Ich habe insbesondere in den letzten zwei Jahren für mich selbst begriffen, dass ich lieber aus diesem Kapitalismus-Laufrad aussteigen möchte. Mein Leben soll nicht von dem Anhäufen von Dingen bestimmt werden, es soll kein Streben nach Besitz sein. Ich möchte keine Anerkennung von Leuten bekommen, weil ich mir dieses und jenes leisten kann, sondern weil ich ein guter Mensch bin, weil meine Persönlichkeit überzeugt oder ich etwas Gutes getan habe. Das ist mein Wunsch.

Natürlich habe ich auch materielle Wünsche und Träume, die ich mir irgendwann einmal erfüllen möchte, aber lange nicht mehr in dem Maße wie ich sie vielleicht früher einmal gehabt habe. Und deswegen überlege ich mir inzwischen vor jedem Kauf, bei dem es nicht um Nahrungsmittel geht, ganz genau, ob ich das WIRKLICH brauche und arbeite in meinem Kopf eine Liste mit Fragen ab:

  • Kann ich auch ohne das Teil leben?
  • Will ich das auch wirklich haben?
  • Habe ich schon etwas, das genauso ist?
  • Wie viel habe ich davon bereits?
  • Wie viele Stunden muss ich arbeiten, um es mir leisten zu können?
  • Wie lange wird es mich glücklich machen?

Komme ich trotz all dieser Fragen, die im Geschäft, mit dem Produkt in der Hand, in meinem Kopf rumschwirren, zu einer Kaufentscheidung, habe ich ein neues, ganz simples System (welches ich natürlich nicht erfunden haben, aber seit Kurzem gewissenhaft anwende), um keinen weiteren Besitz anzuhäufen: Für jedes neu erworbene Teil muss ein Altes weichen. Egal, ob zur Kleiderkammer, auf den Flohmarkt oder eventuell auch in den Müll: Wird etwas neues angeschafft, muss ein altes Teil noch am gleichen Tag aussortiert werden.

Seit ich angefangen habe, zusätzlich einige Dinge in meiner Wohnung in Kartons in den Keller zu packen, um einfach weniger rumstehen zu haben, fühle ich mich viel freier und es gefällt mir auch optisch um einiges besser. Die eigene Wohnung ist ja schon ein bisschen der Spiegel der eigenen Seele, es gibt sogar Wohnraumpsychologie etc. pp und deswegen macht es nicht nur räumlich einen Unterschied, ob alles aufgeräumt und übersichtlich, oder vollgestopft und chaotisch ist, sondern wirkt sich natürlich auch auf das Wohlbefinden und somit den Geist aus.

Neulich habe ich irgendwo gelesen, dass sich von dem ganzen Ballast, den du nicht wirklich brauchst, zu trennen, der erste Schritt und somit der Einstieg in eine minimalistische Lebensweise ist. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, inwieweit ich diesen Schritt auch auf Dauer umsetzen kann und dann in der Lage bin, eventuell einen ganzen (Lebens-)weg so zu bestreiten. Fortsetzung folgt.

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