Brauchen wir Silvester?

Das alte Jahr ist abgeschlossen, das Neue noch ganz frisch. An und für sich bedeutet mir Silvester als Event seit einigen Jahren eigentlich nichts mehr. Es ist doch jedes Jahr das Gleiche und außer der Jahreszahl ändert sich absolut nichts, auch wenn es gerne so emotional dargestellt wird und ich mir als Teenie auch immer mit einer gewissen Dramatik eingeredet habe, im neuen Jahr wird alles viel besser und toller und überhaupt ganz anders. Aber seien wir ehrlich, wer wirklich eine Veränderung in seinem Leben möchte, sollte und kann diese jederzeit selbst herbeiführen oder zumindest daran arbeiten und nicht nur am Jahresende davon träumen.

Dem ganzen Feuerwerksgeballere stehe ich inzwischen auch eher skeptisch gegenüber, es ist eigentlich ein Verbrechen an unserer Erde und irgendwie auch an der Menschheit. Die ganzen Böller verursachen nicht nur extrem viel Müll (in Großstädten ist das wirklich tonnenweise Dreck), sondern auch enorm verschmutzte Luft. Das jährliche Silvesterfeuerwerk setzt nämlich rund 4.500 Tonnen Feinstaub frei, das entspricht 15,5 Prozent der Menge, die pro Jahr alle Autos in Deutschland zusammengenommen in die Luft blasen. Außerdem verstört es die Tiere, insbesondere Vögel und am Ende halten sie den Raketenmüll noch für Nahrung und verenden im schlimmsten Fall qualvoll daran. Ein weiterer ebenso wichtiger Negativaspekt ist die Geldverschwendung. Während auf der ganzen Welt zeitgleich Menschen verhungern, ballert unsere Wohlstandsgesellschaft das Geld lieber in die Luft, anstatt es eben diesen Menschen zu geben, wenn es doch scheinbar sowieso über ist. Wenn man sich darüber wirklich einmal Gedanken macht, ist diese Ignoranz eigentlich kaum zu fassen und macht unsagbar traurig. Allein die Deutschen geben jährlich zwischen 100 und 150 Millionen Euro für Feuerwerkskörper aus. Wie viele Menschen könnte man dafür wohl ernähren, ihnen ein Dach über dem Kopf geben oder in Bildung investieren? Tun wir aber leider nicht. Was mir dennoch besonders in diesem Jahr aufgefallen ist, dass bei vielen Menschen die gleichen Gedanken immer mehr in den Vordergrund treten und sich ein Umdenken einstellt. Bei Facebook, Twitter & Co. wurden vor Silvester sehr viele kritische Beiträge zu dem Thema Feuerwerk veröffentlicht und ich hoffe und glaube, dass all diese wirklich einleuchtenden Gründe zeitnah zu einer Veränderung führen werden. Ich könnte mir vorstellen, dass die Feuerwerke bald in den Großstädten und irgendwann auch deutschlandweit verboten werden, wie es bereits in vielen Ländern der Fall ist, zum Beispiel bei unseren Nachbarn, den Dänen.

Was ich an Silvester trotzdem gut finde ist das alte Jahr einfach mal Revue passieren zu lassen und darüber nachzudenken, wie viel man eigentlich erlebt und mit wie vielen glücklichen Momenten man beschenkt worden ist. Ich habe zum Beispiel meine ganzen Fotos, die ich 2018 gemacht habe, angeschaut und daraus einen kleinen Film gemacht. So ist mir dann richtig deutlich geworden, wie lang das Jahr doch tatsächlich war und was ich eigentlich alles gemacht und gesehen habe. Viele Dinge vergisst man leider schnell oder ordnet sie zeitlich schon viel weiter weg ein, sodass die Überraschung bei mir dann doch recht groß war, als ich die vielen vielen Fotos habe ablaufen sehen. Nachdem ich das letzte Jahr dann noch einmal bildlich und gedanklich durchgegangen bin, konnte ich es wie einen abgeschlossenen Vorgang in meinem Büro mit „erledigt“ stempeln und zu den Akten legen. Nicht vergessen, aber dennoch abgeschlossen, bereit für die Bearbeitung eines neuen Falles, das Jahr 2019.

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