Die Geschichte der Bienen 🐝

KĂŒrzlich habe ich das Buch „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lundes gelesen. Auch wenn mich das Buch vom Spannungsfaktor nicht all zu sehr gepackt hat, fand ich die Thematik ĂŒber das Insekten -insbesondere das Bienensterben- doch sehr ergreifend. Die Geschichte spielt in drei Zeitzonen, 1852, 2007 und in der Zukunft im Jahr 2098, wodurch mir sehr bewusst wurde, wie die Zukunft tatsĂ€chlich aussehen könnte.

Mir war nicht klar, dass es seit 2007 einen sogenannten Bienen-Kollaps gibt, bei dem jeden Winter, kurz vor der BlĂŒtenbestĂ€ubung hunderttausende Bienenvölker spurlos verschwinden. Anders als bei anderen Krankheiten sterben die Tiere nicht einfach und liegen tot herum, sondern die Kolonie ist einfach wie vom Erdboden verschluckt. Die Wissenschaft nennt das PhĂ€nomen „Colony Collapse Disorder“, kurz CCD. Forschern ist es bislang nicht gelungen, den genauen Grund dieses Massensterbens aufzuklĂ€ren. Die Wissenschaftler halten derzeit mehrere AnsĂ€tze fĂŒr eine mögliche ErklĂ€rung bereit, vor allem spielt natĂŒrlich der Einsatz von Pestiziden und Nervengiften in der Landwirtschaft ein große Rolle.

Schlichter Futtermangel durch fehlende Pflanzenvielfalt (zu viele flĂ€chendeckende Monokulturen) sowie zunehmende klimatische VerĂ€nderungen sind weitere GrĂŒnde. Bodennutzung und FlĂ€chenzerstörung in vielen Regionen reduzieren zudem die Brut- und NistplĂ€tze der Bienen und sie erkranken immer hĂ€ufiger durch Viren, Pilze und Parasiten wie die Varroa-Milbe. Die ursprĂŒnglich aus Asien stammende Milbe wurde vor rund 35 Jahren nach Europa eingeschleppt, versteckt sich in der Brut und fĂ€llt die Bienenlarven an. Die Folge: VerkrĂŒppelte Jungbienen, die nicht mehr fliegen können und anfĂ€llig fĂŒr Krankheiten sind. Manche Pflanzenschutzmittel wirken sich zudem auf den Orientierungssinn der Bienen aus und so finden sie ihren Bienenstock nicht mehr.

Langfristig kann dieses Problem zu einer globalen Krise fĂŒhren, denn die Honigbienen sind nicht wegzudenken, wenn es um die BestĂ€ubung von so vielen wichtigen Nahrungslieferanten wie z.B. Apfel-, Birnen- und KirschbĂ€umen geht. Ganze 80% aller Obst- und GemĂŒsesorten sind auf InsektenbestĂ€ubung angewiesen. Es handelt sich um ein ernstes Problem, dass in der Politik jedoch leider immer noch viel zu wenig Beachtung erfĂ€hrt. WĂŒrde plötzlich jedes 3. Schwein tot umkippen, gĂ€be das vermutlich einen Katastrophenalarm, aber ĂŒber das Bienensterben wissen die meisten Menschen nicht mal was eigentlich Sache ist. In manchen Regionen der Erde sind die Bienen durch Umweltkatastrophen sogar schon gĂ€nzlich verschwunden. Hier muss die BestĂ€ubung mit sehr hohem Aufwand hĂ€ndisch von Menschen durchgefĂŒhrt werden, damit ausreichend landwirtschaftlicher Ertrag gewĂ€hrleistet wird. Dies wird in dem Buch eindrucksvoll beschrieben.

Da die Handlungen dieser Menschen-BestĂ€ubung aber im Jahr 2098 spielen, dachte ich, dass das lediglich dĂŒstere Zukunftsmusik ist. Nach ein bisschen Recherche konnte ich jedoch in Erfahrung bringen, dass die Bienen in großen Teilen Chinas tatsĂ€chlich bereits ganz verschwunden sind und dort Menschen in mĂŒhsamer Handarbeit die BestĂ€ubung der BlĂŒten ĂŒbernehmen. Viele Chinesen haben in ihrem Leben nie eine lebendige Biene zu Gesicht bekommen.

FĂŒr die HandbestĂ€ubung benötigt jeder Arbeiter tĂ€glich in etwa ein Kilogramm frische BlĂŒten. Die werden in teils schwindelerregender Höhe gesammelt und anschließend in einem aufwendigen Prozess, ebenfalls via Handarbeit, von ihren Pollen befreit. Ein Gramm Pollen benötigt jede menschliche Biene, um einen Baum zu bestĂ€uben. Am Tag schafft jeder Arbeiter etwa dreißig ObstbĂ€ume auf den Plantagen zu bestĂ€uben. Zum Vergleich: Ein Bienenvolk kann pro Tag bis zu 300 Millionen BlĂŒten bestĂ€uben – dafĂŒr brĂ€uchte man mehr als 1500 Menschen. Die menschlichen Bienen, wie sich die BestĂ€uber in China nennen, können mit der Arbeitsleistung der Bienen also niemals mithalten.
‹Das Beispiel China verdeutlicht einmal mehr, wie wichtig die Bienen fĂŒr uns Menschen sind. Jeder Einzelne kann und sollte daher etwas zum Schutz der Bienen beitragen. Ein Garten oder auch nur ein Balkonkasten mit bienenfreundlichen Pflanzen (z.B. Wildblumenmischungen) sind bereits ein erster wertvoller Beitrag zum Erhalt der Bienen.

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