Ein Herbstgedicht

Heftig fegt mir der Nordwind ins Gesicht und bewegt die See, überall tobt die Gischt, klatscht an Felsen und Steine, fegt übers Wasser wie stürmender Schnee.

Ich atme tief ein und genieße das Aufbäumen der Natur, vorbei ist der Sommer, heftig hinweggefegt von Wald und von Flur. So stark, ja so mächtig diese Naturgewalten, es ist an der Zeit sich den Hut wieder am Kopf festzuhalten.

Die Herbststürme toben wie ein wütender Mob durch die Luft, reißen die bunten Blätter aus den Baumkronen, in den Wäldern liegt ein herbstlicher Duft. Es riecht nach Astern, Chrysanthemen und Pilzen, viele bleiben lieber zu Hause, Start frei für die Saison zum nähen, häkeln und filzen. Kerzen um die Badewanne drapiert, hinein ins warme Nass, scheiß auf die Kohlenwasserstoffe in der Luft, wäre doch schlimm wenn man friert, nene das wäre zu krass. Die Fenster bleiben zu, die Kerzen an, der Sturm bleibt draußen, wo ist mein Mann? Vergeblich suche ich ihn, er scheint nicht zu Haus, es gibt doch Kürbissuppe zum Abendbrot, wieso geht er da noch mal raus?

Ich steh am tosenden Meer, mein Blick geht starr geradeaus, stelle mir vor wie es wär, vom Wind davon getragen in die weite Welt, einfach raus. Mit dem Herbststurm davon in ein Land meiner Wahl, in den Süden vielleicht oder ist das banal? Ein Wetter das niemals zum Jammern einlädt? Ein Wind der nicht tobt, ein seichtes Lüftchen das weht? Nein das wär nichts für mich, ich brauch die raue See. Und so wird es Zeit endlich aufzubrechen, nicht in die Welt sondern Heim, Frau und Kürbissuppe warten, danach gibt es Tee.