Achtsamkeit – Ein neuer Trend

In letzter Zeit sind mir vermehrt Beiträge über das Thema Achtsamkeit ins Auge gefallen. Kurz gesagt ist das Fazit eigentlich immer, den kleinen Dingen im Leben mehr Beachtung zu schenken, zu begreifen, dass man nur das Jetzt & Hier hat und deshalb für die kleinen Dinge im Leben dankbar sein sollte, anstatt in einer fernen Taumzukunft zu leben, in der man sich dann vielleicht dies und das erarbeitet hat, von dem man ja schon so lange träumt, durch das aber letztlich auch keine Zufriedenheit erlangt wird, weil danach direkt wieder neue Bedürfnisse entstehen (Kapitalismus eben, you know). Konkret bedeutet es also, die Hoffnung abzulegen, dass sich durch diese und jene Änderung im Leben irgendwann ein zufriedener Zustand einstellt und stattdessen den einfachen Moment zu achten, denn letztlich ist die Gegenwart ja auch alles, was wir tatsächlich haben.

Achtsamer durchs Leben zu schreiten bringt dir darüber hinaus nicht nur selbst eine Menge (zum Beispiel ein gewisses Maß an Glückseligkeit), sondern wirkt sich auch positiv auf dein Umfeld aus, da du automatisch auch besser mit Mensch, Tier & Umwelt umgehst. Aber wie genau schaffst du das eigentlich, reicht da schon reine Gedankenkraft? Nö, das ist schon ein bisschen Arbeit.

Was ich jedoch festgestellt habe, ist, dass es manchmal schon ausreicht, einfach mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und sich hin und wieder bewusst zu machen, wie viele Wunder uns eigentlich umgeben. In unserer heutigen Welt ist immer alles selbstverständlich, wissenschaftlich erklärbar oder schlicht weg uninteressant. Aber so ist es eigentlich überhaupt nicht, es gibt so viele unbegreifliche Dinge, die eine echte Faszination durchaus rechtfertigen.

Dazu kann ich euch folgendes Beispiel anbringen: Wie viele Menschen liebe ich es, mir Dokumentationen auf YouTube anzuschauen. So bin ich kürzlich auf einen sehr interessanten Beitrag über Krähen gestoßen. Ständig umgeben uns diese Vögel, sind ein Teil unserer Welt, aber Beachtung schenken ihnen dennoch nur wenige Menschen. In manchen Kulturen gelten sie sogar als Pechbringer oder gar Todesboten. Tatsächlich sind Raben aber unglaublich intelligente Tiere, die gesellschaftliche Strukturen haben wie Menschen und ihr Umfeld (das sich vorzugsweise in der Nähe von uns befindet) genau beobachten und daraus dann auch bestimmte Verhaltensweisen ableiten. Sie lernen sehr schnell, benutzen zielgerichtet Werkzeuge und begreifen auch versteckte Zusammenhänge, was man Tieren im Allgemeinen sonst wohl eher nicht zutraut. Und was außerdem bemerkenswert ist, Krähen erkennen Gesichter – und identifizieren so zum Beispiel noch fünf Jahre nach einer Fangaktion „böse“ Menschen. Auch Vögel, die das Ganze nur beobachtet haben, hatten später Angst vor diesen Gesichtern. Doch nicht nur das: Petzen können die Tiere auch. Unbeteiligte Raben warnen sie sogar, vor wem die sich in Acht nehmen müssen.

Die Experimente, die bislang mit den schlauen Krähen gemacht wurden, haben mich daher nachhaltig beeindruckt. So sehr, dass ich derzeit quasi mein eigenes kleines Experiment mit ihnen führe und daraus sogar schon etwas berichten kann: Ich habe angefangen die Krähen in meiner Nachbarschaft zu füttern, um zu testen, ob sie mich vielleicht irgendwann erkennen. Ein Stück Brot hier, ein paar Weintrauben dort. Letzte Woche ging ich (allerdings ohne Futter) zum Müll rausbringen. Auf dem Rückweg saßen zwei Krähen auf einem Baum, unter dem ich immer hergehen muss, um zum Haus zu gelangen. Plötzlich fiel vor mir eine Walnuss auf den Boden, die eine der Krähen von oben wirklich direkt vor meine Füße fallen ließ. Als ich wieder nach oben sah, fühlte es sich so an, als wenn die Krähen mich erwartungsvoll ansahen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie wussten, dass die Walnuss nicht davon kaputt gehen würde, wenn sie sie aus dieser Höhe auf den Rasen fallen ließen, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass sie in mir eine Hilfe zum Öffnen der Nuss sahen. Also tat ich ihnen den Gefallen und trat auf die Walnuss. Nachdem ich ein bisschen Abstand genommen hatte, schnappten sie sich das Innenleben der Nussschale und flogen davon. Nach allem was ich im Vorfeld über Krähen gelernt habe, weiß ich, dass das kein Zufall war und irgendwie war das für mich ein wirklich schöner Moment.

Achtsamkeit ist eine besondere Form der Aufmerksamkeit, an der ihr also in den verschiedensten Varianten arbeiten könnt. Öffnet eurer Bewusstsein für die schönen Dinge die euch umgeben, seid fasziniert von eurer Umgebung, beobachtet sie einfach mal und genießt die kleinen und großen Wunder, es lohnt sich.