Die Sprache der Bäume

Die deutschen Wälder umfassen circa 32 Prozent der Gesamtfläche unseres Landes. Die Deutschen lieben ihre Wälder und beschützen diese auch mit großer Ernsthaftigkeit, was erst jetzt wieder am Beispiel des Hambacher Forsts deutlich wurde, für dessen Erhalt sogar im weit entfernten Lübeck demonstriert wurde. 

Der Wald als solcher ist ein Rückzugsort für Menschen vor Lärm, Hektik, verschmutzter Luft und natürlich auch vor anderen Menschen. In diesem Beitrag möchte ich allerdings nicht auf die vielen positiven Effekte eingehen, die der Wald zweifelsfrei auf Seele & Gesundheit ausübt, sondern ich möchte etwas über die spannenden Netzwerke der Bäume und Pflanzen erzählen. Den meisten Menschen ist nicht bewusst, was für ein unglaubliches System der Wald überhaupt ist und das die Bäume mit weltweit über 2000 Vokabeln kommunizieren können (nach bisherigen Forschungsergebnissen, vermutlich sind es noch viel mehr). 

Der Wald ist ein riesiger Organismus in dem von kleinsten Bakterien über Pilze, Pflanzen und Bäumen alles miteinander vernetzt ist. Der Wald quasselt sozusagen in einer Tour miteinander, es findet ein permanenter Nachrichtenaustausch statt und die wichtigsten Gesprächspartner sind die Pilze.

Pilze teilen sich nämlich ihr Gebiet mit den Wurzeln der Bäume und können so Kontakt mit diesen aufnehmen. Wir sehen vom Pilz – ähnlich wie bei einem Eisberg – nur den oberen Teil, den Fruchtkörper, der Rest spielt sich im Untergrund ab. Und hier wird es spannend:

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass jeder Baum ein internes Kommunikationssystem besitzt, in dem die Baumkrone mit der Wurzel – der Leitzentrale des Netzwerkes – spricht und umgekehrt. Die feinen Wurzelspitzen prüfen den Boden ständig auf Nährstoffgehalt und Feuchtigkeit. Bei Trockenheit senden sie über die Wasserleitungen des Baumes hydraulische Signale nach oben, die die Blätter dann dazu veranlassen, weniger Wasser zu verdunsten. Andersrum empfängt die Wurzel beispielsweise bei einem Schädlingsbefall eine entsprechende Benachrichtigung von oben. 

Die Wurzeln im Boden wachsen wie die Äste der Krone, aber wenn die Wurzelspitzen durch Bodenstoffe erkennen, dass Verwandte in der Nähe sind, stellen sie das Wachstum in diese Richtung ein, damit die Artgenossen genug Platz bekommen. 

Wenn die Bäume nun aber über größere Distanz miteinander reden wollen, brauchen sie Helfer: Die Pilze. Pilze spinnen ein unterirdisches Netz aus dünnen Fäden, die kilometerlang sein können und die Wurzeln der Bäume umhüllen. Der Pilz liefert dem Baum auf diese Weise Stickstoff und Phosphor und erhält im Gegenzug Zucker aus der Photosynthese. 

Das Geflecht der Pilze kann ganze Wälder vernetzen, deswegen nennen die Forscher es auch das Wood-wide-web, das Internet des Waldes. 

Bäume erfahren dadurch, ob es anderen Bäumen gut geht oder ob sie Hilfe benötigen. Außerdem wird der eigene Nachwuchs über das Pilznetzwerk versorgt. Ähnlich wie bei Menschen oder Säugetieren gibt der Mutterbaum seinem Kind Nahrung, hier in Form von Zucker, nur das ein Dritter -der Pilz- sozusagen beim säugen hilft. Ohne dieses System könnten die Jungbäume nicht überleben. 

Niemals hätten sich die Wälder ohne die Kommunikation mit den Pilzen so weit verbreiten können, vielleicht hätte der deutsche Wald auch so manchen Klimawandel nicht überstanden. 

Faszinierend oder?