Malta, Malta

Einfachheit ist das Resultat der Reife, das wusste schon Friedrich Schiller oder wer auch immer sonst dieses schlaue Zitat zuerst in die Welt hinausgerufen hat. In meinem letzten Beitrag ging es um Achtsamkeit und auch mein erster richtiger Urlaub in diesem Jahr hat wieder mit diesem Thema zu tun. Ich habe bereits in meinen vergangenen Urlauben immer wieder festgestellt, dass ich dieses Mainstream-Sightseeingprogramm für Touristen schlichtweg hasse und eigentlich so gut wie nie begeistert bin von den tollen Hotspots die auf den verschiedensten Blogs, in Reisemagazinen und den klassischen Reiseführern angepriesen werden. Immer wird die Atmosphäre des jeweiligen Place-to-see schon genau beschrieben, mit zahlreichen Fotos untermauert und zig Kommentaren versehen, sodass ich eigentlich schon vorher genau weiß, wie es dort letztlich aussehen wird. Wenn ich dann aber – genötigt von den ganzen Informationsquellen und mir selbst – den Touristenströmen zu den besten Orten trotzdem folge, passiert eigentlich immer das Gleiche: Die Plätze sind – meist auch in der Nebensaison- total überlaufen und allein deshalb schon von jeglichem Zauber befreit. Also versucht man die Menschenmassen trotzdem so gut es geht auszublenden und irgendwie das perfekte Foto hinzubekommen, bei dem es so aussieht, als sei man so gut wie alleine unterwegs – falls das nicht gelingt, gibt es ja auch noch Photoshop. Wenn das perfekte Foto schließlich im Kasten ist, kann man eigentlich auch schon wieder abreisen, einfach schnell hochladen und schon hat man sich selbst und seine Follower mit der perfekten Illusion veräppelt. Macht das Spaß? Nein.

Ich habe mir im Vorfeld unserer Reise aber trotzdem mal wieder alle möglichen Blogs und den geschenkten Reiseführer durchgelesen und eine To-Do-Liste mit den Plätzen, die ich meinte unbedingt sehen zu wollen, erstellt und war bereit, sie gnadenlos abzuhaken. Nach dem dritten Punkt habe ich die Liste weggeschmissen und wir konnten endlich Urlaub machen. Sicher ist es schön im Hafen von Marsaxlokk frischen Fisch zu essen, mit dem Boot zur blauen Lagune nach Comino überzusetzen und durch die Altstadtgassen von Mdina zu laufen. Was aber nicht so schön ist sind ewig lange Wartezeiten und stundenlange Busfahrten (die Busse sind auf Malta zudem quasi nie pünktlich) und eben auch nicht die vielen Menschen. Und deswegen brauche ich jetzt auch keine ewig langen Tipps für Maltas Hotspots geben (gibt es ja auch schon zur Genüge), sondern liste euch hier einfach meine persönlichen Highlights aus unserem Maltaurlaub auf und das sind zum Großteil tatsächlich einfache Orte/Erlebnisse, die mich wieder zum Zitat am Anfang dieses Textes bringen:

Der Hafen von Vittoriosa, an dem unsere Ferienwohnung lag und an dem wir jeden Abend vor dem zu Zubettgehen spazieren gingen und zum Abschluss des Tages einen Cappuccino auf den Treppenstufen tranken. Ich liebe den Cappuccino & die heiße Schokolade auf Malta und die Cafés nehmen dafür tatsächlich nur zwischen 0,60 – 1,80 Euro.

Dock No. 1 / American University of Malta


Die vielen kleinen Gassen in unserer Nachbarschaft, in denen es meist nach frisch gewaschener Wäsche roch.

Triq Hilda Tabone

Eine Wanderung durch irgendwelche Dörfer auf Gozo bei der wir ganz alleine waren und schließlich an einem wunderschönen Strand landeten und etwas oberhalb des Strandes dann auch noch einen Lost Place entdeckten.

Ramla Bay Beach

Eine planlose Entdeckungstour durch Valetta, bei der wir einen Mittagsschlaf auf den Stadtmauern hielten und später sogar völlig einsam dem Meer entgegen schaukeln konnten.

Valetta

Die Entdeckung unserer Dachterrasse (das hat tatsächlich ein paar Tage gedauert) auf der wir nachmittags Chai ☕️ tranken und nachts ein bisschen tanzten.

Airbnb-Wohnung

Fazit: Ich werde unseren Malta-Urlaub mit vielen schönen Erinnerungen im Gedächtnis behalten, aber wie ihr seht entstehen schöne Erlebnisse meist nicht auf Sightseeing-Touren bei der Besichtigung von Kulturdenkmälern oder Museen, sondern ganz unspektakulär in Momenten, die einen einfach aus der Situation heraus packen, weil unerwartete Dinge passieren, auf die man eben nicht schon vorher durch den Reiseblog von Traveler XY eingestellt war. Daher kann ich nur jedem raten, es mit den vermeintlichen Touristenattraktionen nicht zu übertreiben und das unbekannte Land auf eigenen Routen zu entdecken, denn das ist immer noch am Schönsten.



Allgemeine Hinweise für Malta:

☀️ Ein Wochenticket für den Bus kostet 21 Euro und kann auch auf der Nachbarinsel Gozo benutzt werden

☀️ Auf Malta herrscht Linksverkehr, daher haben wir lieber keinen Mietwagen genommen. Dafür braucht man mit dem Bus aber oft viel länger als mit dem Auto

☀️ Das Leitungswasser ist kein Trinkwasser 🚱 (wusste ich leider erst ab dem 3. Tag)

☀️ Auf Gozo gibt es die besten Strände

☀️ Das Essen hat mich nicht so überzeugt, aber wie bereits erwähnt der Cappuccino 😊

☀️ Jeder auf Malta spricht Englisch, da es die 2. Landessprache ist

☀️ Kontaktlinsenflüssigkeit gibt es in der Apotheke für 3-5 Euro, manchmal kann man dort auch Kontaktlinsen kaufen

☀️ Klettert einfach mal ein bisschen auf den Stadtmauern und Felsen direkt am Meer herum, es gibt unzählige kleine versteckte Buchten, wo man völlig ungestört schnorcheln und sonnenbaden kann, das Wasser ist einfach herrlich klar & blau.