Malta, Malta

Einfachheit ist das Resultat der Reife, das wusste schon Friedrich Schiller oder wer auch immer sonst dieses schlaue Zitat zuerst in die Welt hinausgerufen hat. In meinem letzten Beitrag ging es um Achtsamkeit und auch mein erster richtiger Urlaub in diesem Jahr hat wieder mit diesem Thema zu tun. Ich habe bereits in meinen vergangenen Urlauben immer wieder festgestellt, dass ich dieses Mainstream-Sightseeingprogramm für Touristen schlichtweg hasse und eigentlich so gut wie nie begeistert bin von den tollen Hotspots die auf den verschiedensten Blogs, in Reisemagazinen und den klassischen Reiseführern angepriesen werden. Immer wird die Atmosphäre des jeweiligen Place-to-see schon genau beschrieben, mit zahlreichen Fotos untermauert und zig Kommentaren versehen, sodass ich eigentlich schon vorher genau weiß, wie es dort letztlich aussehen wird. Wenn ich dann aber – genötigt von den ganzen Informationsquellen und mir selbst – den Touristenströmen zu den besten Orten trotzdem folge, passiert eigentlich immer das Gleiche: Die Plätze sind – meist auch in der Nebensaison- total überlaufen und allein deshalb schon von jeglichem Zauber befreit. Also versucht man die Menschenmassen trotzdem so gut es geht auszublenden und irgendwie das perfekte Foto hinzubekommen, bei dem es so aussieht, als sei man so gut wie alleine unterwegs – falls das nicht gelingt, gibt es ja auch noch Photoshop. Wenn das perfekte Foto schließlich im Kasten ist, kann man eigentlich auch schon wieder abreisen, einfach schnell hochladen und schon hat man sich selbst und seine Follower mit der perfekten Illusion veräppelt. Macht das Spaß? Nein.

Ich habe mir im Vorfeld unserer Reise aber trotzdem mal wieder alle möglichen Blogs und den geschenkten Reiseführer durchgelesen und eine To-Do-Liste mit den Plätzen, die ich meinte unbedingt sehen zu wollen, erstellt und war bereit, sie gnadenlos abzuhaken. Nach dem dritten Punkt habe ich die Liste weggeschmissen und wir konnten endlich Urlaub machen. Sicher ist es schön im Hafen von Marsaxlokk frischen Fisch zu essen, mit dem Boot zur blauen Lagune nach Comino überzusetzen und durch die Altstadtgassen von Mdina zu laufen. Was aber nicht so schön ist sind ewig lange Wartezeiten und stundenlange Busfahrten (die Busse sind auf Malta zudem quasi nie pünktlich) und eben auch nicht die vielen Menschen. Und deswegen brauche ich jetzt auch keine ewig langen Tipps für Maltas Hotspots geben (gibt es ja auch schon zur Genüge), sondern liste euch hier einfach meine persönlichen Highlights aus unserem Maltaurlaub auf und das sind zum Großteil tatsächlich einfache Orte/Erlebnisse, die mich wieder zum Zitat am Anfang dieses Textes bringen:

Der Hafen von Vittoriosa, an dem unsere Ferienwohnung lag und an dem wir jeden Abend vor dem zu Zubettgehen spazieren gingen und zum Abschluss des Tages einen Cappuccino auf den Treppenstufen tranken. Ich liebe den Cappuccino & die heiße Schokolade auf Malta und die Cafés nehmen dafür tatsächlich nur zwischen 0,60 – 1,80 Euro.

Dock No. 1 / American University of Malta


Die vielen kleinen Gassen in unserer Nachbarschaft, in denen es meist nach frisch gewaschener Wäsche roch.

Triq Hilda Tabone

Eine Wanderung durch irgendwelche Dörfer auf Gozo bei der wir ganz alleine waren und schließlich an einem wunderschönen Strand landeten und etwas oberhalb des Strandes dann auch noch einen Lost Place entdeckten.

Ramla Bay Beach

Eine planlose Entdeckungstour durch Valetta, bei der wir einen Mittagsschlaf auf den Stadtmauern hielten und später sogar völlig einsam dem Meer entgegen schaukeln konnten.

Valetta

Die Entdeckung unserer Dachterrasse (das hat tatsächlich ein paar Tage gedauert) auf der wir nachmittags Chai ☕️ tranken und nachts ein bisschen tanzten.

Airbnb-Wohnung

Fazit: Ich werde unseren Malta-Urlaub mit vielen schönen Erinnerungen im Gedächtnis behalten, aber wie ihr seht entstehen schöne Erlebnisse meist nicht auf Sightseeing-Touren bei der Besichtigung von Kulturdenkmälern oder Museen, sondern ganz unspektakulär in Momenten, die einen einfach aus der Situation heraus packen, weil unerwartete Dinge passieren, auf die man eben nicht schon vorher durch den Reiseblog von Traveler XY eingestellt war. Daher kann ich nur jedem raten, es mit den vermeintlichen Touristenattraktionen nicht zu übertreiben und das unbekannte Land auf eigenen Routen zu entdecken, denn das ist immer noch am Schönsten.



Allgemeine Hinweise für Malta:

☀️ Ein Wochenticket für den Bus kostet 21 Euro und kann auch auf der Nachbarinsel Gozo benutzt werden

☀️ Auf Malta herrscht Linksverkehr, daher haben wir lieber keinen Mietwagen genommen. Dafür braucht man mit dem Bus aber oft viel länger als mit dem Auto

☀️ Das Leitungswasser ist kein Trinkwasser 🚱 (wusste ich leider erst ab dem 3. Tag)

☀️ Auf Gozo gibt es die besten Strände

☀️ Das Essen hat mich nicht so überzeugt, aber wie bereits erwähnt der Cappuccino 😊

☀️ Jeder auf Malta spricht Englisch, da es die 2. Landessprache ist

☀️ Kontaktlinsenflüssigkeit gibt es in der Apotheke für 3-5 Euro, manchmal kann man dort auch Kontaktlinsen kaufen

☀️ Klettert einfach mal ein bisschen auf den Stadtmauern und Felsen direkt am Meer herum, es gibt unzählige kleine versteckte Buchten, wo man völlig ungestört schnorcheln und sonnenbaden kann, das Wasser ist einfach herrlich klar & blau.

Achtsamkeit – Ein neuer Trend

In letzter Zeit sind mir vermehrt Beiträge über das Thema Achtsamkeit ins Auge gefallen. Kurz gesagt ist das Fazit eigentlich immer, den kleinen Dingen im Leben mehr Beachtung zu schenken, zu begreifen, dass man nur das Jetzt & Hier hat und deshalb für die kleinen Dinge im Leben dankbar sein sollte, anstatt in einer fernen Taumzukunft zu leben, in der man sich dann vielleicht dies und das erarbeitet hat, von dem man ja schon so lange träumt, durch das aber letztlich auch keine Zufriedenheit erlangt wird, weil danach direkt wieder neue Bedürfnisse entstehen (Kapitalismus eben, you know). Konkret bedeutet es also, die Hoffnung abzulegen, dass sich durch diese und jene Änderung im Leben irgendwann ein zufriedener Zustand einstellt und stattdessen den einfachen Moment zu achten, denn letztlich ist die Gegenwart ja auch alles, was wir tatsächlich haben.

Achtsamer durchs Leben zu schreiten bringt dir darüber hinaus nicht nur selbst eine Menge (zum Beispiel ein gewisses Maß an Glückseligkeit), sondern wirkt sich auch positiv auf dein Umfeld aus, da du automatisch auch besser mit Mensch, Tier & Umwelt umgehst. Aber wie genau schaffst du das eigentlich, reicht da schon reine Gedankenkraft? Nö, das ist schon ein bisschen Arbeit.

Was ich jedoch festgestellt habe, ist, dass es manchmal schon ausreicht, einfach mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und sich hin und wieder bewusst zu machen, wie viele Wunder uns eigentlich umgeben. In unserer heutigen Welt ist immer alles selbstverständlich, wissenschaftlich erklärbar oder schlicht weg uninteressant. Aber so ist es eigentlich überhaupt nicht, es gibt so viele unbegreifliche Dinge, die eine echte Faszination durchaus rechtfertigen.

Dazu kann ich euch folgendes Beispiel anbringen: Wie viele Menschen liebe ich es, mir Dokumentationen auf YouTube anzuschauen. So bin ich kürzlich auf einen sehr interessanten Beitrag über Krähen gestoßen. Ständig umgeben uns diese Vögel, sind ein Teil unserer Welt, aber Beachtung schenken ihnen dennoch nur wenige Menschen. In manchen Kulturen gelten sie sogar als Pechbringer oder gar Todesboten. Tatsächlich sind Raben aber unglaublich intelligente Tiere, die gesellschaftliche Strukturen haben wie Menschen und ihr Umfeld (das sich vorzugsweise in der Nähe von uns befindet) genau beobachten und daraus dann auch bestimmte Verhaltensweisen ableiten. Sie lernen sehr schnell, benutzen zielgerichtet Werkzeuge und begreifen auch versteckte Zusammenhänge, was man Tieren im Allgemeinen sonst wohl eher nicht zutraut. Und was außerdem bemerkenswert ist, Krähen erkennen Gesichter – und identifizieren so zum Beispiel noch fünf Jahre nach einer Fangaktion „böse“ Menschen. Auch Vögel, die das Ganze nur beobachtet haben, hatten später Angst vor diesen Gesichtern. Doch nicht nur das: Petzen können die Tiere auch. Unbeteiligte Raben warnen sie sogar, vor wem die sich in Acht nehmen müssen.

Die Experimente, die bislang mit den schlauen Krähen gemacht wurden, haben mich daher nachhaltig beeindruckt. So sehr, dass ich derzeit quasi mein eigenes kleines Experiment mit ihnen führe und daraus sogar schon etwas berichten kann: Ich habe angefangen die Krähen in meiner Nachbarschaft zu füttern, um zu testen, ob sie mich vielleicht irgendwann erkennen. Ein Stück Brot hier, ein paar Weintrauben dort. Letzte Woche ging ich (allerdings ohne Futter) zum Müll rausbringen. Auf dem Rückweg saßen zwei Krähen auf einem Baum, unter dem ich immer hergehen muss, um zum Haus zu gelangen. Plötzlich fiel vor mir eine Walnuss auf den Boden, die eine der Krähen von oben wirklich direkt vor meine Füße fallen ließ. Als ich wieder nach oben sah, fühlte es sich so an, als wenn die Krähen mich erwartungsvoll ansahen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie wussten, dass die Walnuss nicht davon kaputt gehen würde, wenn sie sie aus dieser Höhe auf den Rasen fallen ließen, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass sie in mir eine Hilfe zum Öffnen der Nuss sahen. Also tat ich ihnen den Gefallen und trat auf die Walnuss. Nachdem ich ein bisschen Abstand genommen hatte, schnappten sie sich das Innenleben der Nussschale und flogen davon. Nach allem was ich im Vorfeld über Krähen gelernt habe, weiß ich, dass das kein Zufall war und irgendwie war das für mich ein wirklich schöner Moment.

Achtsamkeit ist eine besondere Form der Aufmerksamkeit, an der ihr also in den verschiedensten Varianten arbeiten könnt. Öffnet eurer Bewusstsein für die schönen Dinge die euch umgeben, seid fasziniert von eurer Umgebung, beobachtet sie einfach mal und genießt die kleinen und großen Wunder, es lohnt sich.

Nähen & Podcasts

Es ist soooo kalt draußen. Auch wenn die Sonne scheint, trübt einen manchmal dieser schöne Schein, der Wind ist beißend kalt, die Straßen glatt. Was macht man also in dieser Situation? Im warmen Zuhause bleiben.

Zuhause ist es ja auch ganz heimelig und es gibt neben den gängigen Beschäftigungsmöglichkeiten, die meist mit digitalen Medien und reinstarren zu tun haben, auch noch ganz viele andere schöne, kreative Zeitvertreiber. Zu meinen Winterhobbys zählt beispielsweise das Nähen. Nähen ist eine schöne Kombination aus basteln, designen und eben etwas zusammenbringen. Ich mag es sehr, im Internet nach Schnittmustern zu suchen, verschiedenste Stoffe auszuwählen, Farben zu kombinieren und mich schließlich ans Ausschneiden der Stoffmuster zu begeben, um damit den kreativen Prozess in Gang zu bringen.

Dazu eine Tasse Tee und etwas ganz Neumodisches, aber eigentlich auch nicht: Podcasts. Podcasts sind Serien von Audiodateien, also eigentlich wie ein Blog angelegt, aber eben akustisch. Das Abonnieren und Herunterladen von Podcasts ist immer kostenlos und bei meinem iPhone gibt es beispielsweise die bereits vorinstallierte App „Podcasts“, wo man je nach Themenwunsch schon ganz viele spannende Serien finden kann. Ansonsten könnt ihr aber auch gerne bei YouTube gucken und dort sicher auch eure Wunschthemen finden.

Ach wie gerne habe ich mir als Kind Kassetten angehört und nebenbei gemalt oder gebastelt. Nun gehe ich diesem schönen Hobby erneut nach, nur eben auf Erwachsenenart.

Minimalismus

Besitz verpflichtet. Ich denke, das wird jedem von uns früher oder später einmal bewusst. Je mehr wir haben, desto mehr können wir verlieren. So viele Dinge können kaputt gehen, gestohlen werden, verderben, verrotten oder vielleicht vergessen wir sie auch einfach irgendwo.

Dann ärgern wir uns, wenn eines unserer vielen Besitztümer schaden erleidet oder plötzlich weg ist. Und das macht unser Eigentum zu Ballast. Je mehr wir davon anhäufen, je mehr Last bürden wir uns auf, die wir tragen/beschützen müssen. Wir leben in einer Welt von völligem materiellen Überfluss, in der wir aber auch permanent unter einem sozialem Kaufdruck stehen, sei es durch Werbung oder Mitmenschen, denen man imponieren oder nacheifern will.

Ich habe insbesondere in den letzten zwei Jahren für mich selbst begriffen, dass ich lieber aus diesem Kapitalismus-Laufrad aussteigen möchte. Mein Leben soll nicht von dem Anhäufen von Dingen bestimmt werden, es soll kein Streben nach Besitz sein. Ich möchte keine Anerkennung von Leuten bekommen, weil ich mir dieses und jenes leisten kann, sondern weil ich ein guter Mensch bin, weil meine Persönlichkeit überzeugt oder ich etwas Gutes getan habe. Das ist mein Wunsch.

Natürlich habe ich auch materielle Wünsche und Träume, die ich mir irgendwann einmal erfüllen möchte, aber lange nicht mehr in dem Maße wie ich sie vielleicht früher einmal gehabt habe. Und deswegen überlege ich mir inzwischen vor jedem Kauf, bei dem es nicht um Nahrungsmittel geht, ganz genau, ob ich das WIRKLICH brauche und arbeite in meinem Kopf eine Liste mit Fragen ab:

  • Kann ich auch ohne das Teil leben?
  • Will ich das auch wirklich haben?
  • Habe ich schon etwas, das genauso ist?
  • Wie viel habe ich davon bereits?
  • Wie viele Stunden muss ich arbeiten, um es mir leisten zu können?
  • Wie lange wird es mich glücklich machen?

Komme ich trotz all dieser Fragen, die im Geschäft, mit dem Produkt in der Hand, in meinem Kopf rumschwirren, zu einer Kaufentscheidung, habe ich ein neues, ganz simples System (welches ich natürlich nicht erfunden haben, aber seit Kurzem gewissenhaft anwende), um keinen weiteren Besitz anzuhäufen: Für jedes neu erworbene Teil muss ein Altes weichen. Egal, ob zur Kleiderkammer, auf den Flohmarkt oder eventuell auch in den Müll: Wird etwas neues angeschafft, muss ein altes Teil noch am gleichen Tag aussortiert werden.

Seit ich angefangen habe, zusätzlich einige Dinge in meiner Wohnung in Kartons in den Keller zu packen, um einfach weniger rumstehen zu haben, fühle ich mich viel freier und es gefällt mir auch optisch um einiges besser. Die eigene Wohnung ist ja schon ein bisschen der Spiegel der eigenen Seele, es gibt sogar Wohnraumpsychologie etc. pp und deswegen macht es nicht nur räumlich einen Unterschied, ob alles aufgeräumt und übersichtlich, oder vollgestopft und chaotisch ist, sondern wirkt sich natürlich auch auf das Wohlbefinden und somit den Geist aus.

Neulich habe ich irgendwo gelesen, dass sich von dem ganzen Ballast, den du nicht wirklich brauchst, zu trennen, der erste Schritt und somit der Einstieg in eine minimalistische Lebensweise ist. In den nächsten Monaten wird sich zeigen, inwieweit ich diesen Schritt auch auf Dauer umsetzen kann und dann in der Lage bin, eventuell einen ganzen (Lebens-)weg so zu bestreiten. Fortsetzung folgt.

180 Grad Meer

Manchmal brauche ich Bücher in denen nicht viel los ist. In denen einfach ein normaler Alltag geschildert wird, ohne großes Brimborium und ohne viel Dramatik. Das Buch 180 Grad Meer von Sarah Kuttner ist so ein Buch. Als ich noch vor ein paar Tagen in Wien auf schnellem Weg zur U-Bahn war, fiel mir ein schöner kleiner U-Bahn-Buchladen ins Auge und die Pläne, die ich grade noch in Eile erfüllen wollte, mussten erst mal warten. Von den vielen reduzierten und interessanten Büchern, die mitgenommen werden wollten, entschied ich mich letztlich aber ausgerechnet und ausschließlich für dieses.

An Handlung passiert eigentlich so gut wie gar nichts, das Ende ist auch nicht happy oder besonders einfallsreich, aber dennoch hat mir dieses Buch gefallen und bleibt irgendwie in Erinnerung. Vielleicht auch deshalb, weil ich es am Silvestermorgen mit einem herrlichen Becher Kaffee, Sonnenschein im Gesicht und einem Bewusstsein für die aktuelle Leichtigkeit meines Lebens im Wiener Stadtpark gelesen habe. Vielleicht.

Vielleicht aber auch, weil das Leben eben nicht immer die große Dramatik zu bieten hat, weil manche Kapitel im Leben nicht mit einem Happy End abschließen und ich mir das auch hin und wieder gerne mal durch einen Roman bestätigen lasse.

Whatever… 💁🏼‍♀️

Lesevormittag im Wiener Stadtpark

Lübecks leckerstes Fast Food

Essen hat für mich einen hohen Stellenwert. Und obwohl ich gerne und oft koche, muss es hin und wieder auch mal ein Schnellimbiss sein. Denn manchmal habe ich dann doch keine Lust erst den Herd anzuschmeißen, zum Beispiel dann, wenn mich mal ein akutes Hungergefühl direkt nach der Arbeit überkommt und ich erst aufwendig einkaufen gehen müsste, weil der Kühlschrank leider schon wieder leer ist. Also treffe ich mich circa einmal die Woche in der Mittagspause mit meinem Mann auf der Altstadtinsel zum schnellen Schlemmen. Weil seine Mittagspause und natürlich auch unser Portmonee nicht allzu lange/viel ausgereizt werden soll, fällt die Wahl eigentlich immer auf etwas schnelles.

Da man unter Fast Food Restaurants aber nicht nur die gängigen Ketten wie Burgerking und McDonalds versteht (sondern allgemein Produkte, bei denen zwischen Zubereitung und Übergabe einfach weniger als zehn Minuten liegen) und wir uns auch nicht all zu ungesund ernähren wollen, haben wir da viel bessere Alternativen entdeckt, die ich euch jetzt vorstellen möchte. Das Ranking ist zufällig und nicht nach Besten-Hierarchie geordnet und beinhaltet bewusst nur Restaurants direkt auf der Altstadtinsel.

  • Kleines Nudelhaus, Fleischhauerstr. 14 (die hausgemachten Nudelgerichte sind vielfältig, lecker und preiswert (4,50-5,50 €). Nudelart, Soße und Käse kann man selbst wählen. Die kurze Wartezeit und der lustige Betreiber mit seinem österreichische Dialekt runden den Besuch ab)
  • Al Salam, Dr.-Julius-Leber-Str. 22 (hier gibt es mega leckere Sharwarma- und Falafel-Sandwiches für 3 €)
  • Café Erdapfel, Markt 1 (wer Kartoffeln und vegetarisches Essen mag, wird es hier lieben. Die Ofenkartoffeln werden kreativ belegt und machen extrem satt)
  • Fangfrisch, An der Untergrabe 51 (Fischbrötchen to go und alles rund um die gesunden Meeeresbewohner)
  • Merhaba, Schlüsselbunden 18 (werktags türkisches Mittagsbuffet für 7,50 €)
  • Sultan Palast, Mühlenstr. 64 (super leckerer Döner, rund 4 €)
  • Suppentopf, Fleischhauerstr. 36 (Suppen und Eintöpfe zum fairen Preis, besonders im Winter herrlich erwärmend. Mittagstisch aber nur Dienstag und Mittwoch)

Brauchen wir Silvester?

Das alte Jahr ist abgeschlossen, das Neue noch ganz frisch. An und für sich bedeutet mir Silvester als Event seit einigen Jahren eigentlich nichts mehr. Es ist doch jedes Jahr das Gleiche und außer der Jahreszahl ändert sich absolut nichts, auch wenn es gerne so emotional dargestellt wird und ich mir als Teenie auch immer mit einer gewissen Dramatik eingeredet habe, im neuen Jahr wird alles viel besser und toller und überhaupt ganz anders. Aber seien wir ehrlich, wer wirklich eine Veränderung in seinem Leben möchte, sollte und kann diese jederzeit selbst herbeiführen oder zumindest daran arbeiten und nicht nur am Jahresende davon träumen.

Dem ganzen Feuerwerksgeballere stehe ich inzwischen auch eher skeptisch gegenüber, es ist eigentlich ein Verbrechen an unserer Erde und irgendwie auch an der Menschheit. Die ganzen Böller verursachen nicht nur extrem viel Müll (in Großstädten ist das wirklich tonnenweise Dreck), sondern auch enorm verschmutzte Luft. Das jährliche Silvesterfeuerwerk setzt nämlich rund 4.500 Tonnen Feinstaub frei, das entspricht 15,5 Prozent der Menge, die pro Jahr alle Autos in Deutschland zusammengenommen in die Luft blasen. Außerdem verstört es die Tiere, insbesondere Vögel und am Ende halten sie den Raketenmüll noch für Nahrung und verenden im schlimmsten Fall qualvoll daran. Ein weiterer ebenso wichtiger Negativaspekt ist die Geldverschwendung. Während auf der ganzen Welt zeitgleich Menschen verhungern, ballert unsere Wohlstandsgesellschaft das Geld lieber in die Luft, anstatt es eben diesen Menschen zu geben, wenn es doch scheinbar sowieso über ist. Wenn man sich darüber wirklich einmal Gedanken macht, ist diese Ignoranz eigentlich kaum zu fassen und macht unsagbar traurig. Allein die Deutschen geben jährlich zwischen 100 und 150 Millionen Euro für Feuerwerkskörper aus. Wie viele Menschen könnte man dafür wohl ernähren, ihnen ein Dach über dem Kopf geben oder in Bildung investieren? Tun wir aber leider nicht. Was mir dennoch besonders in diesem Jahr aufgefallen ist, dass bei vielen Menschen die gleichen Gedanken immer mehr in den Vordergrund treten und sich ein Umdenken einstellt. Bei Facebook, Twitter & Co. wurden vor Silvester sehr viele kritische Beiträge zu dem Thema Feuerwerk veröffentlicht und ich hoffe und glaube, dass all diese wirklich einleuchtenden Gründe zeitnah zu einer Veränderung führen werden. Ich könnte mir vorstellen, dass die Feuerwerke bald in den Großstädten und irgendwann auch deutschlandweit verboten werden, wie es bereits in vielen Ländern der Fall ist, zum Beispiel bei unseren Nachbarn, den Dänen.

Was ich an Silvester trotzdem gut finde ist das alte Jahr einfach mal Revue passieren zu lassen und darüber nachzudenken, wie viel man eigentlich erlebt und mit wie vielen glücklichen Momenten man beschenkt worden ist. Ich habe zum Beispiel meine ganzen Fotos, die ich 2018 gemacht habe, angeschaut und daraus einen kleinen Film gemacht. So ist mir dann richtig deutlich geworden, wie lang das Jahr doch tatsächlich war und was ich eigentlich alles gemacht und gesehen habe. Viele Dinge vergisst man leider schnell oder ordnet sie zeitlich schon viel weiter weg ein, sodass die Überraschung bei mir dann doch recht groß war, als ich die vielen vielen Fotos habe ablaufen sehen. Nachdem ich das letzte Jahr dann noch einmal bildlich und gedanklich durchgegangen bin, konnte ich es wie einen abgeschlossenen Vorgang in meinem Büro mit „erledigt“ stempeln und zu den Akten legen. Nicht vergessen, aber dennoch abgeschlossen, bereit für die Bearbeitung eines neuen Falles, das Jahr 2019.

Die Einsamkeit der Alten

Gestern war ich mit einer Freundin in einem Café. Nach zwei Stunden musste sie den nächsten Bus kriegen und ich hatte noch einen Termin in der Stadt, also blieb ich noch ein Weilchen auf meinem Platz vor einer frischen Tasse Kaffee sitzen. Was mir bis zum Verschwinden meiner Freundin nicht aufgefallen war: Alle 5 Tische, die in unmittelbarer Umgebung zu meinem eigenen standen, waren von jeweils einer Person Ü60 besetzt. Es waren vier ältere Damen und ein Herr, jeder hatte ein Stück Kuchen vor sich,  ansonsten aber nichts und niemanden. Sie alle machten einen eher traurigen Eindruck und ich konnte mir lebhaft vorstellen, wie sie nachmittags die Entscheidung trafen, ihre kleinen, stillen Wohnungen für ein paar Stunden zu verlassen und zumindest anderen Menschen beim Leben zuzuschauen, wenn sie schon niemanden mehr hatten, der sie an dem ihren teilhaben ließ.

Verschiedenen Statistiken zufolge (richtig aussagekräftige Studien gibt es in Deutschland noch gar nicht) sind rund 8 Millionen Menschen im Alter von 60 – 99 Jahren von Einsamkeit betroffen. Worin sich die meisten Institute, Behörden etc. zudem einig sind, ist, dass es heute deutlich mehr einsame Menschen in Deutschland gibt, als noch vor zwanzig Jahren und die Zahl der Vereinsamten weiter zunimmt. 

Zurück zum Café. Es war ein trauriges Bild. Was ich aber gleichzeitig interessant fand, war, dass zwei der Damen sogar den gleichen Pelzhut trugen.

Im Prinzip ist es ja so einfach, sich zu jemanden an den Tisch zu setzen und die eigene Einsamkeit zu beenden, aber gleichzeitig ist es auch so verdammt schwer. Warum sind wir alle so sozialisiert, dass wir immer nur die gesellschaftlichen Regeln befolgen, in denen man sich eben nicht zu einer Fremden an den Tisch setzt (die ja sogar den gleichen Hut auf hat und dazu genauso einen einsamen Blick wie ich selbst), obwohl man sich doch so viel zu erzählen hätte. Weil wir Angst vor Abweisung haben? Weil unsere Schüchternheit uns daran hindert?

Wieso können wir Menschen nicht einfach offener und ehrlicher miteinander umgehen, indem wir unserem gegenüber einfach sagen können, wenn wir lieber alleine sein wollen, aber eben auch, wenn wir gerne ein nettes Gespräch führen möchten, sei es auch mit einer Fremden. 

Solange diese Hemmschwelle nicht überwunden wird, werden wohl noch viele alte und natürlich auch junge Leute einsam vor ihren Kaffeetassen sitzen und Chancen auf echte Freundschaften verpassen. Schade. 

Das königliche Spiel

Normalerweise bin ich nicht der Typ, der gerne Gesellschaftsspiele spielt. Es kostet mich meist sogar echte Überwindung bei solchen Spielen mitzumachen, auch wenn es am Ende dann meist doch nicht so schlimm ist, wie zunächst befürchtet. Meine Eltern mögen diese Art der Unterhaltung auch nicht, vielleicht liegt es also auch daran, dass Spielen in unserer Familie keinen Stellenwert hat. 

Es gibt jedoch ein Spiel, nach dem ich süchtig bin, das nie langweilig wird und welches ich die ganze Nacht hindurch spielen könnte: Schach. 

Ich habe eine Freundin, mit der ich bei unseren Treffen seit geraumer Zeit eigentlich immer Schach spiele, ein Ritual, dass wir beide lieben und dass sich wirklich schön entwickelt hat. Bei einem gemeinsamen Roadtrip im vergangenen Jahr habe ich einfach mal mein hölzerneres Schachspiel eingepackt und so kam es, dass wir unsere Spielfiguren nach kurzer Zeit überall aufstellten. Wir spielten auf Wiesen und Feldern, an rauschenden Bächen in Österreich, auf Halfpipes in coolen Skaterparks, in Wiener Cafés und Venedig. 

Es war toll und sobald eine von uns verlor wurde eine Revanche eingefordert, sodass wir kein Ende fanden und erst mit Einbruch der Dunkelheit von der Halfpipe rutschten, um dann zu merken, dass inzwischen Stunden vergangen waren. 

Strategien zu entwickeln, Gegner abzuwehren und den König irgendwie schachmatt setzen, das fordert den Geist und lässt einen oftmals die Zeit vergessen. 

Außerdem ist es für Winter und Sommer gleichermaßen geeignet. Im Sommer spiele ich gelegentlich mit meinem Mann direkt am Meer, auf einem großen Outdoor-Feld an der Niendorfer Promenade, im Winter auf dem Teppich vor der Heizung. Eine Freizeitaktivität die ich entsprechend zu keiner Jahreszeit missen möchte. 

Falls ihr also Schach spielen könnt und es einfach seit Ewigkeiten nicht mehr gemacht habt, sucht euch doch einfach mal einen Partner, entstaubt das alte Brett und verliert euch genauso in diesem wundervollen Spiel wie ich. Falls ihr es noch nicht könnt: Lernt es. Mit YouTube & Co. sollte das ja kein Problem sein, oder vielleicht kennt ihr auch jemanden der es euch gerne zeigt und selbst mal wieder Lust auf eine Partie hat. 

Viel Spaß 💕